Fast zu schön, um von heute zu sein

Anne-Sophie Mutter hat in Luzern ein Violinkonzert von Thomas Adès uraufgeführt

© Lucerne Festival / Priska Ketterer

Es beginnt ganz zart, mit Glöckchen und den Flageoletts der ersten Geigen. Und es beginnt ganz schlicht: Mit einem diatonisch fallenden Viertonmotiv, das zur Keimzelle des ganzen Werks wird. Weitere Instrumente fallen kanonisch damit ein, erweitern es ein wenig, und fast ummerklich greift auch die Sologeige ins Geschehen ein. Unbeirrt singt sie ihre schlichten Linien in höchsten Höhen, bis zum Schluss. Rasche Bewegung gibt es kaum, bloss auf das Vibrato soll sie kurz mal verzichten. Auf fast schon barocke Art kontrapunktieren die übrigen Instrument diese ostinate Melodie. Absoluten Seltenheitswert haben eruptive Ausbrüche und Akzente.

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Der Klang von Tierherden im Tunnel

Seltsame Töne prägen am letzten August-Wochenende das Oberbaselbiet: Zum 33. Mal findet das Festival Neue Musik Rümlingen statt. 

© Festival Rümlingen

Ein «Fest der improvisierten Komposition» will man feiern bei diesem Festival der etwas anderen Art. Das klingt nicht nur auf den ersten Blick wie ein Widerspruch, es ist auch einer, der sich nicht auflösen lässt. Aber das kümmert die Macher rund um Tumasch Clalüna, den Geschäftsführer dieses seit nun 33 Jahren bestehenden Musikfestes, das jeden Sommer ein sehr treues Publikum in den Baselbieter Jura lockt, wenig. Die Provokation ist Programm in Rümlingen, nicht die heftige, brachiale, sondern eher die niederschwellig-subtile. Aber genau das können sie gut. Continue reading

«Madame Butterfly» bei den Bregenzer Festspielen

Von der Hitze in die Traufe: Die Festspielpremiere auf der Seebühne fiel nach der Hälfte den Gewitterfronten zum Opfer. Bis dahin sahen wir eine eher unspektakuläre Inszenierung von Andreas Homoki.

Choreografien für «Madame Butterfly» von Andreas Homoki © Anja Koehler / Bregenzer Festspiele

Die Gewittergötter hatten ein perfektes Timing an diesem Premierenabend am Bodensee: Pünktlich zum Auftritt des Onkels Bonzo, der Butterfly mit viel Härte und Mitleidlosigkeit an Familie, Ehre und Tradition gemahnt, fing das himmlische Feuerwerk an und entfachte ein Wetterleuchten über Friedrichshafen. Der Wind frischte auf und blähte die gigantische US-Flagge, die vorher lustlos herabgehangen hatte. Nur leider kam der Wind aus der Richtung der Gewitterstürme, womit absehbar war, dass die Premiere vielleicht nicht würde draussen zu Ende gespielt werden können. So kam es dann auch. Continue reading