Disco-Revival auf dem Thunersee
John Travolta und Olivia Newton-John stehen mit «Grease» fast schon ikonisch für die der Disco-Ära. Die Thunerseespiele zeigen eine gleichermassen nostalgisch verklärte wie ironisch aufgepeppte Version des Disco-Hits als Sommer-Musical.

«Grease» – das ist Schmiere für die Haare. Die 50er-Jahre Gel-Frisuren halten nur mit einer kräftigen Portion davon. Zwei amerikanische Schauspieler, Jim Jacobs und Warren Casey, machten 1971 die Pomade zum Titel eines Musicals über eine High School Romanze in den Fifties. Das Stück war so gut, dass es ein Jahr später am Broadway Premiere feierte und dort sieben Jahre lang gespielt wurde.
Dieser Erfolg wiederum führte zum Disco-Film mit John Travolta und Olivia Newton-John in den Hauptrollen, der 1978 sehr erfolgreich in die Kinos kam. Erst für den Film wurden die bekannt gewordenen Songs neu eingefügt, darunter vor allem der Final-Super-Hit «Your’re the one that I want», eine perfekte Tanzvorlage in astreinem Disco-Stil.
Er fehlt natürlich auch in der Musical-Version auf der Thunerseebühne nicht. Gesungen wird englisch, gesprochen hochdeutsch. Das Orchester steht unter der Leitung des Keyboarders Kai Tietje und besteht aus bloss acht Musikern, was dazu führt, dass Vieles, insbesondere die omnipräsenten Streicherteppiche vom Synthesizer kommen – das passt zwar stilistisch in die 1980er-Jahre, aber ist für heutige Ohren durchaus auch etwas ermüdend.
Der Bühnenbildner Andrew D. Edwards hat zwei grosse Riegel auf die Seebühne gebaut, die mit den Bilderchiffren eines nostalgisch verklärten Amerika der 50er-Jahre spielen: Diners, High School, Route 66, Autokino und Leuchtreklamen konkurrieren mit EigerMönchundJungfrau, die Kostüme können nicht genug kriegen von rosa und himmelblau, die Welt ist heil, bloss die Teenie-Leidenschaften fahren Achterbahn.
Christopher Tölle lässt als Regisseur und Choreograph diese Welt hübsch wieder auferstehen. Sein Fokus liegt auf den Ensembles, die Hauptrollen bleiben erhalten szenisch keine besondere Aufmerksamkeit. Ausnahme ist der quasslige Moderator, der in den von Wolfgang Adenberg neu verfassten Texten eine Hauptrolle spielt und dabei etliche Pointen verbuchen kann.
Eher unterbelichtet bleiben die Protagonisten, die kaum aus dem Ensemble hervortreten. So bleibt es ein solider Team-Event, was durchaus zum Wohlfühl-Blick auf längst verflossene Jugend-Tage passt.
Reinmar Wagner

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