Martin Zimmermann erhält den Hans-Reinhart-Ring 2021
© Charlotte Krieger / BAK

Der Schweizer Grand Prix Darstellende Künste / Hans-Reinhart-Ring geht in diesem Jahr an Martin Zimmermann. Seit mehr als 20 Jahren schafft er mit seinen Arbeiten ein eigenes Genre, das die Perspektive der Darstellenden Künste öffnet. Martin Zimmermann, geboren 1970, aufgewachsen im kleinen Dorf Wildberg, erfindet, choreografiert und inszeniert seit über 20 Jahren ein visuelles Theater, das in kaum eine Schublade passt. Er entwickelt skurrile Bühnenwelten und inszeniert darin seine fragilen Figuren und bizarren Objekte. Wenn er nicht selbst mitspielt, lässt er seine Tänzerinnen, Schauspieler und virtuose Artistinnen zu Komplizen seines tragikomischen Universums werden. Im August hatte sein jüngstes Werk «Danse Macabre» Premiere am Zürcher Theater Spektakel. Zur Eröffnung des Tanzfestivals Steps im Frühjahr 2022 entsteht zusammen mit der Tanzkompanie am Theater St. Gallen «Wonderful World».

Die weiteren Preise erhalten Nicole Seiler, das Ballet Junior de Genève, die beiden Urban Dance Festivals Groove’N’Move und Breakthrough, Mathieu Bertholet, Tanya Beyeler, fleischlin/meser, Joël Maillard, Antje Schupp, Manuel Stahlberger, «LUMEN» von Jasmine Morand, «Der Mensch erscheint im Holozän» von Alexander Giesche und Mirjam Gurtner. Ab 2021 verleiht das Bundesamt für Kultur die Schweizer Tanz- und Theaterpreise unter dem Dach der Darstellenden Künste. 

3g – der neue Kulturstandard
© Joseph Khakshouri / Tonhalle Zürich

3g – kein neu-alter Mobilfunk-Standard, sondern die Quintessenz der Covid-Bekämpfung: Geimpft, genesen oder getestet. Anders als mit dem Covid-Zertifikat kommt man in der bald startenden Saison nicht mehr in die Tonhalle, ins Opernhaus und ins Schauspielhaus. Damit setzen die Zürcher Kultur-Leuchttürme für die ganze Schweiz den Standard für Kultur mit Corona.

Halbleere Säle, mässiger Applaus, miese Stimmung – und wirtschaftlich auf die Dauer nicht tragbar: Das Zeitalter der räumlichen Distanz im Theater und Konzert ist damit vorbei. Was absehbar und logisch war, nachdem die Impfung flächendeckend verfügbar ist, haben die grossen Zürcher Kulturhäuser am 16. August festgeschrieben und damit für die Restschweiz die Leitplanken gesetzt. Man will wieder volle Säle und einen normalen Aufführungs-Betrieb, und hat das in einer konzertierten Aktion öffentlich gemacht. Das Schaupspielhaus hält vorerst noch fest an einer Zweidrittel-Belegung, in Opernhaus und der frisch renovierten Tonhalle (Bild) sollen die letzten Lücken in den Rängen fallen. Was überall bleibt ist die Maskenpflicht (rw).

 

Die Narren sind los – das Lucerne Festival 2021 ist eröffnet
© Priska Ketterer/Lucerne Festival

«Verrückt» heisst das Luzerner Motto in diesen tatsächlich verrückten Zeiten. Was das heisst, bekam zur Eröffnung gleich schon Monteverdis Fanfare zu spüren, die er seinem Dienstherrn, dem Herzog Vincenzo Gonzaga von Mantua widmete und die er auch als Eröffnung für seine «Orfeo»-Oper verwendete. Trommeln und Blechbläser des Lucerne Festival Orchestra unter Reinhold Friedrichs Ägide schmetterten sie in den KKL-Saal. Aber nicht für lange, dann übernahm Intendant Michael Haefliger höchstpersönlich per Trillerpfeife das Kommando, worauf ein farbiges Arsenal an allerlei weiteren Spiel- und Lärminstrumenten Monteverdi und die strahlenden Trompeten verbannten und für Fastnachts-Stimmung sorgten. Continue reading