Macbeth mit Maske

Am Freitag nach Auffahrt haben die Schweizer Verbände der Theater und Berufsorchester ihr Schutzkonzept vorgestellt, mit dem sie hoffen, den Spiel- und Konzertbetrieb wieder aufnehmen zu können. Kernpunkt darin, was das Publikum betrifft, ist das Tragen von Schutzmasken und das Erfassen der Besucherdaten, weil praktisch nirgends ein rentabler Betrieb mit dem nötigen Sicherheitsabstand von 2 Metern im Auditorium realistisch ist.

Für das Personal auf und hinter der Bühne sind dagegen die Möglichkeiten zum Einhalten dieses Abstands möglichst einzuhalten. Wo das nicht geht, sollen sogenannte „feste Teams“ gebildet werden, die in der immer gleichen Besetzung zusammen arbeiten womit im Falle einer Infektion der Radius beschränkt bliebe. Der Ball liegt nun beim Bundesrat, der das Konzept genehmigen, anpassen und zeitlich fixieren muss, um wieder eine Theater- und Konzertbetrieb ermöglichen zu können. 

Keine Bregenzer Festspiele 2020 – Salzburg will «modifiziert» spielen
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©Musik&Theater/Andrea Meuli

Lange klammerten sie sich an die Hoffnung und versuchten, diesen harten Entscheid hinauszuschieben. Doch er wurde unabwendbar, und seit heute Nachmittag nun ist es definitiv: Auch die Bregenzer Festspiele müssen für diesen Sommer aufgeben. Aber sowohl «Rigoletto» auf der Seebühne wie Arrigo Boitos «Nerone» im Festspielhaus konnten in den Sommer 2021 hinüber gerettet werden. Die erfolgreiche Verdi-Produktion wird an 26 Abenden gespielt, und mit der selten aufgeführten Oper des Verdi-Librettisten Boito werden die Festspiele 2021 am 21. Juli eröffnet.

Gleichzeitig verkünden die Salzburger Festspiele, dass sie weiterhin an die Möglichkeit glauben, bereits in diesem Sommer «modifizierte Festspiele» durchführen zu können. «Die Festspiele sind guten Mutes, dass sie trotz Corona ein Zeichen für die Kraft der Kunst gerade in schwierigen Zeiten setzen können», lässt das Direktorium um Markus Hinterhäuser und Helga Rabl-Stadler in der Presseerklärung verlauten. Auf jeden Fall wird der Beginn dieser Jubiläumsfestspiele light in den August verschoben werden. Im Mittelpunkt dürfte dabei Hofmannsthals traditionell zum Festspielprogramm gehörender «Jedermann» vor dem Salzburger Dom stehen. Das neu zusammengestellte Programm für den diesjährigen Festspielsommer soll im Juni veröffentlicht werden.

(am)

Zum Tod von Rolf Hochhuth
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© Rowohlt / Ursula Euler

«Ein solcher Papst ist ein Verbrecher!» 32jährig war der Dramatiker aus dem hessischen Eschwege, als er in «Der Stellvertreter» Theatergeschichte schrieb und Papst Pius XII eine persönliche Mitschuld am Holocaust unterstellte. Nicht überraschend, dass er damit für einen Skandal sorgte, nicht so sehr in Berlin, wo 1963 Erwin Piscator die Uraufführung inszenierte – da ist man Provokationen gegenüber schon seit jeher mit einer gewissen gutwilligen Nonchalance gesegnet, aber in Basel, wo Friedrich Schramm die zweite Inszenierung wagte und sein Theater prompt bei jeder Vorstellung von Dutzenden von Polizisten schützen lassen musste. Hochhuth liess auch in der Folge provokante Themen nicht aus und unterlegte sie mit dokumentarischen Fakten: Winston Churchill, Big Pharma, die Deutsche Bank und Joe Ackerman, das koloniale Gebaren von «Wessis in Weimar» bis hin zum Holocaust-Leugner David Irving den er erst als «fabelhaften Pionier der Zeitgeschichte» pries und danach massiv zurück krebsen musste und verkündete, in Bezug auf Hitler habe Irving den Verstand verloren. Alles Stücke, die die Theaterwelt in Bewegung gehalten haben und in einem Fall sogar zum Rücktritt des Baden-Württembergischen Ministerpräsidenten Hans Fibinger führten, die aber alle auch nie auf ungeteilte Zustimmung von Kritik und Publikum stiessen . Hochhuth war am Anfang seiner Karriere ein Provokateur, und er ist von dieser Rolle nie losgekommen. Wie wichtig und gewichtig seine Werke im Licht der Nachwelt erscheinen werden – Rolf Hochhuth hat keinen Einfluss mehr darauf, er ist am 13. Mai mit 89 Jahren in Berlin gestorben. (rw)