Blumen für Violetta, nasse Füsse für alle

Damiano Michieletto erhielt von der neuen Direktorin Lilli Paasikivi den Auftrag, Verdis «Traviata» für ihre erste Seebühnen-Produktion zu inszenieren. Er tat, was er schon immer gut konnte: Schöne Bilder schaffen.

Violettas Spiegel als markantes Bühnenbild © Bilder: Anja Koehler

Zuerst aber, da gilt es zu erzählen von einer Stimme: Die finnische Sopranistin Marjukka Tepponen , auf dem Paasikivi-Radar schon zu Zeiten ihrer Intendanz am Opernhaus in Helsinki, durfte von den drei Violettas, denen diesen Sommer Seebühnen-Format zugetraut wird, die Premiere singen. Es war eine Demonstration, was man vokal mit dieser Partie anstellen kann. Natürlich – Verstärkung sei Dank. Aber mit Mikrofon zu singen, diese Erfahrung machen viele in Bregenz, hat einzig zum Unterschied, dass man nicht ständig daran denkt, ob man wohl über das Orchester hinweg kommt.

Am Singen selbst ändert sich wenig, und Tepponen zog alle Register: Was sie in jeder Phrase mit dieser Partie anstellte, war schlicht hinreissend, berückend einfallsreich, sängerisch jederzeit souverän und in jedem Moment von einer unmittelbar nachvollziehbaren Schlüssigkeit. Da blieb auch für den Dirigenten Kirill Karabits das Unterstützen als edelste Aufgabe: Er setzte Akzente und Impulse, und konzentrierte sich weitgehend auf Koordination und eine aufmerksame Dynamik – nicht die schlechteste Haltung für diese Verdi-Oper.

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M&T 7-8.2026 erschienen

Das Lucerne Festival steht im Zentrum unserer Sommernummer. Anne-Sophie Mutter kann an dem Ort, wo ihre ganz grosse Karriere begann, ihr 50jähriges Bühnenjubiläum feiern. Mit Augustin Hadelich steht ein anderer herausragender Geiger als Artiste Etoile im Zentrum des Festivals. Mit ihm sprachen wir über sein Leben in der alten und neuen Welt. Und auch Sebastian Nordmann erläutert im Interview sein Festival-Motto «American Dreams». Auch den neuen Leiter der Lucerne Festival Academy, Jörg Widmann, stellen wir vor.

Die Sommerfestivals bieten aber auch vielen anderen Klassik-Künstlern schöne Plattformen. Wir präsentieren Albrecht Mayer in Thun, Boris Giltburg in Klosters oder Astrig Siranossian im Engadin, den Klarinettisten Matthew Hunt im Musikdorf Ernen, Daniel Hope als neuen Intendanten beim Menuhin-Festival in Gstaad oder auch Damiano Michieletto mit seiner «Traviata»-Produktion für die Seebühne in Bregenz.

Titelgeschichte Anne-Sophie Mutter

Inhaltsverzeichnis 7-8.2026

Jordi Savall, der Sohn des Abendsterns

Der Gambist und Dirigent Jordi Savall, der fast 20 Jahre in Basel wirkte, erhielt den Ernst von Siemens-Musikpreis, dotiert mit 250’000 Euro.

Jordi Savall © Rui Camilo

Diesen Preis wird Jordi Savall bestimmt nicht zurück geben. Das hat er schon einmal gemacht, der katalanische Musiker: 2014 wurde ihm der Premio Nacional der spanischen Regierung verliehen. Aber Savall verweigerte die Annahme, und warf den Ministern Inkompetenz und Desinteresse am Erbe der spanischen Kulturgeschichte vor. Er hat viele Auszeichnungen erhalten in den mittlerweile über 50 Jahren seiner grossen Musiker-Laufbahn, darunter auch einen Ehrendoktor der Universität Basel. Der Ernst von Siemens-Musikpreis ist mit Sicherheit die höchst dotierte Auszeichnung unter ihnen. Er wird wegen der Höhe des Preisgelds auch gerne als «Nobelpreis der Musik» bezeichnet. Continue reading