M&T 9-10.2026 erschienen

Wir halten Rückschau auf die Sommer-Festspiele in Salzburg, Aix oder Bayreuth oder in den Schweizer Alpen in Ernen, Klosters, Thun oder im Engadin. Der Neuproduktion von Messiaens Oper «Saint François» ist auch unsere Titelgeschichte gewidmet. Einen besondern Fokus legen wir auf das Festival im estnischen Pärnu, das Paavo Järvi zu einem Klassik-Brennpunkt gemacht hat.

Darüber hinaus haben wir mit Francesco Piemontesi und Manfred Honeck über ihren Zugang zu den Klavierkonzerten von Brahms gesprochen, wir befragten Sebastian Hazod über seine Päne für Winterthur und schauen voraus auf das Festival «Zwischentöne» in Engelberg.

Titelgeschichte Salzburg Oper

Inhaltsverzeichnis M&T_09-10_PDF

Amerikanische Träume und politische Albträume

Mit amerikanischer Musik von Gershwin und Ives wurde das diesjährige Lucerne Festival eröffnet. Riccardo Chailly dirigierte das engagiert aufspielende Lucerne Festival Orchestra mit viel Gefühl und Lust am Rhythmischen.

Konzentriert: Riccardo Chailly beim Eröffnungskonzert mit dem Lucerne Festival Orchestra. © Priska Ketterer

Er ist schon eine Wundertüte dieser Charles Ives. Er gilt er als eigenwilliger Einzelgänger und Enfant terrible mit Background als erfolgreicher Versicherungs-Agent, was auch die Redenschreiber von Bundespräsident Guy Parmelin beeindruckte. Viele seiner Werke gehorchen keinen Konventionen, unterlaufen Erwartungen, spielen virtuos mit musikalischen Versatzstücken, provozieren Ratlosigkeit oder lassen schlicht Befremden zurück.

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Blumen für Violetta, nasse Füsse für alle

Damiano Michieletto erhielt von der neuen Direktorin Lilli Paasikivi den Auftrag, Verdis «Traviata» für ihre erste Seebühnen-Produktion zu inszenieren. Er tat, was er schon immer gut konnte: Schöne Bilder schaffen.

Violettas Spiegel als markantes Bühnenbild © Bilder: Anja Koehler

Zuerst aber, da gilt es zu erzählen von einer Stimme: Die finnische Sopranistin Marjukka Tepponen , auf dem Paasikivi-Radar schon zu Zeiten ihrer Intendanz am Opernhaus in Helsinki, durfte von den drei Violettas, denen diesen Sommer Seebühnen-Format zugetraut wird, die Premiere singen. Es war eine Demonstration, was man vokal mit dieser Partie anstellen kann. Natürlich – Verstärkung sei Dank. Aber mit Mikrofon zu singen, diese Erfahrung machen viele in Bregenz, hat einzig zum Unterschied, dass man nicht ständig daran denkt, ob man wohl über das Orchester hinweg kommt.

Am Singen selbst ändert sich wenig, und Tepponen zog alle Register: Was sie in jeder Phrase mit dieser Partie anstellte, war schlicht hinreissend, berückend einfallsreich, sängerisch jederzeit souverän und in jedem Moment von einer unmittelbar nachvollziehbaren Schlüssigkeit. Da blieb auch für den Dirigenten Kirill Karabits das Unterstützen als edelste Aufgabe: Er setzte Akzente und Impulse, und konzentrierte sich weitgehend auf Koordination und eine aufmerksame Dynamik – nicht die schlechteste Haltung für diese Verdi-Oper.

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