Der «Memory»-Effekt
«Jesus Christ Superstar» von Andrew Lloyd Webber in Bern.

Gestrandet sind sie, irgendwo im Nirgendwo. Wo genau, warum genau, und wohin sie wollen, das lässt die Regie des erfahrenen japanischen Opernregisseurs Tomo Sugao offen. Umso deutlicher und fassbarer wird die institutionelle Gewalt eines Machtapparats, die sich um die Figur des Caiaphas und seine Entourage manifestiert. Er ist eine Mischung aus Ayatollah und Mafioso, seine Truppen agieren wie ICE-Agenten und sehen aus wie dystopische Police-Cyborgs. SPQR steht auf ihren Schusswesten, aber mit dem antiken Rom haben sie ebensowenig gemeinsam wie der Pilatus, der hier als etwas verwirrter Potentat gezeichnet ist, dem die Kontrolle über seine Staatssicherheit längst entglitten ist. Continue reading


