Neue Ideen beim Lucerne Festival

LUF2021Gute Nachrichten: Das Lucerne Festival im Sommer 2021 findet statt. Und zwar fast so wie in den schönen Jahren vor der Pandemie: Ein Laufsteg der besten Orchester während fast fünf Wochen, inklusive der Berliner (mit Kirill Petrenko) und der Wiener (mit Herbert Blomstedt). Ein paar Abstriche gibt es: Statt Mahler und Bruckner spielt man eher Schumann und Beethoven. Aber die Stardirigenten von Rattle über Barenboim bis Ivan Fischer sind ebenso in Luzern wie die besten Solisten, angeführt von Artiste Etoile Yuja Wang, von Anne-Sophie Mutter, Cecilia Bartoli oder Juan Diego Flórez. 

Mehr denn je prägt das Lucerne Festival Orchestra mit insgesamt fünf Programmen den Luzerner Sommer: Riccardo Chailly dirigiert drei davon, hauptsächlich mit Musik der Wiener Klassik, aber auch mit dem Schumann-Klavierkonzert mit Igor Levit. Yannick Nézet-Séguin steuert Ravel, Debussy und Mozart bei. Insgesamt wird die stolze Zahl von 87 Konzerten angeboten, begleitet von einem Sicherheitskonzept, das sowohl die Akteure auf dem Podium wie das Publikum umfassend einbezieht. Die Zuhörer-Zahl im grossen KKL-Saal zum Beispiel ist auf 1000 Personen limitiert, es gibt Contact Tracing, aber keine Pausen. Continue reading

Zum Tod von Rudolf Kelterborn
Foto: Universität Oldenburg / Schweizer Kulturpreis

Der 1931 geborene Schweizer Komponist Rudolf Kelterborn ist am 24. März im Alter von 89 Jahren in seiner Heimatstadt Basel gestorben, wie seine Familie am 7. April bekannt gab. Als Komponist, Dirigent, Pädagoge und Musikvermittler gehörte er zu den einflussreichsten Figuren der Schweizer Musikszene.

Vergleichsweise geradlinig verlief die Karriere von Rudolf Kelterborn: 1931 geboren in Basel, Matura, Studien in Dirigieren, Klavier und Komposition unter anderem bei Igor Markevich in Salzburg, vor allem aber an der Musikakademie Basel bei Walther Geiser und in Musikwissenschaft bei Jacques Handschin an der Universität Basel. Anschliessend studierte Kelterborn bei Willy Burkhard in Zürich, bei Boris Blacher in Salzburg oder bei Günter Bialas und Wolfgang Fortner in Detmold. Zweimal, in den Jahren 1956 und 1960 nahm er auch an den Darmstädter Ferienkursen teil, dem Mekka für Neue Musik in jenen Jahren.

Rudolf Kelterborn war zweifellos eine wichtige Stimme im zeitgenössischen Musikleben der Schweiz. Aber er hat auch neben seinem kompositorischen Schaffen in vielen weiteren Gebieten einen grossen Einfluss gehabt. Zum einen als wichtiger Lehrer: Schon als junger Komponist lehrte er Musiktheorie an der Musikakademie Basel, ähnliche Positionen hatte er in Detmold, Zürich und Karlsruhe inne. 1983 kehrte er nach Basel zurück, um Direktor der Musikakademie zu werden, eine Position, die er bis 1994 behielt. Wichtige, das Scheizer Musikleben prägende Komponisten wie Andrea Scartazzini, Bettina Skrzypczak, Martin Schlumpf oder Alfons Karl Zwicker gehörten zu seinen Schülern. Immer hat er sich auch kulturpolitisch engagiert, zum Beispiel als Stiftungsrat der Pro Helvetia oder im Vorstand des Schweizerischen Tonkünstler-Vereins. Weit über die Schweiz hinaus reicht sein Renommee, in die USA, nach Russland, Japan oder China wurde er für Referate, Seminare, Vorlesungen und Kurse eingeladen. Continue reading

James Levine gestorben
 
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Er war der König der Met: James Levine dirigierte 2500 Vorstellungen von 85 verschiedenen Werken an New Yorks berühmtem Opernhaus – einem der renommiertesten der Welt. Bereits am 9. März ist er im Alter von 77 Jahren gestorben, wie sein Arzt am 17. März bekannt gab.

James Levine war ein musikalisches Wunderkind. Geboren wurde er 1943 in Cincinnati als Sohn eines Textilfabrikanten und einer Schauspielerin. Schon mit zehn Jahren trat er als Pianist auf. An der Juilliard School in New York bekam er Unterricht von den besten Lehrern. Dass er neben dem romantischen Standardrepertoire auch die Musik der Moderne insbesondere der Zweiten Wiener Schule schätzen lernte, verdankt sich dem Unterricht durch den legendären Geiger Walter Levin.

Sein Debüt an der Met gab Levine 1971. Der junge Mann mit den wuscheligen Locken eroberte das Haus im Sturm. Zwei Jahre später wurde er mit nur 29 Jahren Chefdirigent, 1976 Musikdirektor auf Lebenszeit. Die viereinhalb Jahrzehnte unter seiner Leitung gelten als künstlerische Glanzzeit. Die grössten Sängerinnen udn Sänger jener Jahre trug er auf Händen. Sie verehrten ihn dafür und sahen in Levinee einen Helfer, der viel von den Möglichkeiten und Grenzen menschlicher Stimmen erstand.

Auch im sinfonischen Repertoire bewegte sich James Levine souverän. Die Orchester in Boston und die Münchener Philharmoniker vor allem führte er zu Höhenflügen und bewies seine Fähigkeiten als Motivator und Klangfarben-Regisseur auch beim damals neu gegründeten Jugendorchester des Verbier Festivals. Überschattet wurde seine Karriere durch den jahrelangen sexuellen Missbrauch von Jugendlichen, was schon früh bekannt war und schliesslich 2018 zu seiner Entlassung in New York führte.