ICMA-Nominationen

Am 17. November wurde die Liste der Nominationen für den Internationacl Classic Music Award publiziert, in dessen Jury auch Musik&Theater Einsitz hat. 365 Audio- oder Video-Produktionen von 122 Labels schafften die Hürde der Nomination in den verschiedenen Kategorien.

Nötig dafür ist die Nennung derselben Produktion durch mindestens zwei Mitglieder der Jury, in der über 20 führende Klassik-Zeitschriften, Radio-Stationen und Internet-Portale jedes Jahr völlig unabhängig die besten CDs und DVDs eines Jahres auszeichnen. Mit Abstand am meisten Nominationen fielen dieses Jahr auf Naxos (28) gefolgt von Harmonia Mundi und Alpha (je 16) und Bis (14).

Bis am 15. Dezember wählt die Jury in einem mehrstufigen Auswahlverfahren aus den nominierten Produktionen die Finalisten aus, am 20. Januar 2021 schliesslich wird die Liste der Sieger verkündet. Die Preisverleihung findet dann am 18. April 221 in Vaduz mit dem Sinfonieorchester Liechtenstein unter der Leitung von Yaron Traub statt.

Die Liste der Nominationen, geordnet nach Kategorien, finden Sie hier: https://www.icma-info.com/wp-content/uploads/2020/11/ICMA-2021-Nomination-list-sorted-by-categories.pdf

Oper für 50 Zuschauer

Das Theater St. Gallen lässt sich nicht beeindrucken von der de facto-Schliesslung der Schweizer Kulturhäuser. Für 50 Leute darf man immer noch spielen, also spielt man auch für 50 Leute. Und zwar nicht ein Ersatzprogramm auf der Kleintheater-Schiene, sondern man hält trotzig am festgelegten Spielplan fest. So steht die Barockoper «Giulio Cesare in Egitto» (Bild) ebenso auf dem Programm wie das Wilson-Musical «The Black Rider» und auch das erfolgreich letztes Jahr selber produzierte Musical «Wüstenblume» wird wieder aufgenommen.

Im Moment wird das Haupthaus saniert, man spielt in einem Provisorium namens «Um!bau». 500 Besucher hätten da allerdings auch Platz. Wie es sich anfühlt, wenn bloss ein Zehntel davon in einer Premiere sitzt, beschreibt das Ostschweizer Kulturmagazin «Saiten»: «Ein Theatererlebnis der eigenen Art, frostig, privilegiert, einsam. Ein bisschen wie allein im Wald».

Orchesterkonserve bei der Genfer Oper
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© Annemie Augustijns

Im Opernhaus Zürich kommt das Orchester per Glasfaser-Kabel aus dem Proberaum in die Heiligen Hallen, am Grand Théâtre de Genève wählte man Corona-notgedrungen einen nochmals anderen Weg: Schon im Sommer hatte der Dirigent der Produktion von Janáceks Oper «Die Sache Makropoulos», Tomas Netopil, mit dem Orchestre de la Suisse Romane in weiser Voraussicht den gesamten Orchesterpart eingespielt. Diese Konserve dient nun bei den Vorstellungen ab 26. Oktober als Basis: Netopil dirigiert also seine eigene Aufnahme, zu der die Solisten auf der Bühne – unter ihnen Rachel Harnisch als Emilia Marty – live singen werden. Die Inszenierung stammt aus dem Jahr 2016, kommt aus Antwerpen und wurde erdacht vom ungarischen Filmemacher Kornel Mundruczo.