È morta Mirella Freni

Die Tränen der Trauer um Nello Santi sind noch nicht getrocknet – schon erreicht uns die nächste Todesmeldung, erneut aus dem Reich der Oper: Mirella Freni ist gestorben, 84jährig, in ihrer Heimatstadt Modena. Welche Sternstunden aus dem Opernhimmel hat uns die italienische Sopranistin in ihrer langen, fünfzigjährigen Karriere geschenkt!

Ihr Gesang rührte immer an die Seele, ohne je sentimental verkitscht zu sein. Und das in vielen Rollen, die durchaus dieser Gefahr ausgesetzt sind – ob als anrührende Mimi, als abgrundtief traurige Desdemona, als würdevoll ihrer Liebe entsagende Elisabetta. Und so weiter. Was war das für ein Opernfest, als wir nach Mailand an die Scala pilgerten, zu jenem legendären, von Claudio Abbado dirigierten und von Giorgio Strehler inszenierten «Simon Boccanegra» mit Mirella Freni als Dogentochter Amelia! Unvergesslich. Mirella Freni strahlte auf und neben der Bühne immer menschliche Wärme, Liebenswürdigkeit, Authentizität aus. Auch darum war sie ihrem Publikum immer nahe. Und wurde rund um den Opernglobus so geliebt. Grazie per tutto!

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Mirella Freni bei der Midem Classical Award Gala 2010 – geehrt für ihr künstlerisches Lebenswerk.

Foto: ©Martin Hoffmeister

Grazie Maestro – Nello Santi gestorben

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Vor einem Jahr war Nello Santi noch einmal am Opernhaus Zürich mit einer Serie von Donizettis «Lucia di Lammermoor» zu erleben, einem seiner Herzensstücke. Alle Mühe kostete es ihn, bis er seinen Stuhl im Orchestergraben erreichte, auch seine Dirigierbewegungen waren weniger energiegeladen und feurig als einst – und doch stellte sich von den ersten dunklen Takten des Vorspiels jene Spannung, jene Stimmung ein, welche die Aufführungen unter Santis Leitung weit über ein halbes Jahrhundert geprägt hatten. Noch einmal wurde der greise Maestro von seinem Publikum gefeiert – wie er gerade an diesem Haus immer bejubelt worden war. Als gewichtiger Vertreter jener grossen italienischen Tradition des «Maestro concertatore», der musikalische Werkbezogenheit stets oberstes Gebot bedeutete. Was bei Santi jedoch nie in blutleere, gar akademische Taktschlägerei mündete. Nein, er verkörperte italienisches Temperament sprichwörtlich. Und wurde damit zur Legende. Nicht nur in Zürich, seinem Stammhaus über viele Jahrzehnte, sondern von der Met bis zu legendären Opernnächten in Verona. Und die Sängerinnen und Sänger liebten ihn. Wie er sie liebte und ihnen Abend für Abend, Probe für Probe ein treuer, verlässlicher und hilfreicher Partner, ja Freund war – von Carlo Bergonzi bis Maria Chiara, von Renata Tebaldi bis Placido Domingo. Nello Santi lebte die Oper und liess das Publikum an seiner Leidenschaft für das Theater teilhaben. Wie viele legendäre Vorstellungen unter seiner Leitung haben wir nie vergessen! Und werden wir nie vergessen. Alle jene Abende voll lodernder Leidenschaft, als uns Oper alles andere in der Welt für ein paar Stunden vergessen liess. Und wir restlos glücklich waren. Deshalb verblasst die Erinnerung nicht. Und deshalb bleibt auch Nello Santi unvergessen.  

Andrea Meuli

Vladimir Ashkenazy hört auf
Vladimir Ashkenazy
© Keith Saunders

Einer der Grossen unter den Pianisten hat seinen Rückzug von den Konzertpodien erklärt, und das mit sofortiger Wirkung wie seine Agentur Harrison  Parrott bekannt gab: Mit 82 Jahren ist für Vladimir Ashkenazy der Zeitpunkt zum Aufhören gekommen, sowohl als Pianist wie als Dirigent. Es bleiben von ihm seine überaus zahlreichen CDs, die praktisch das ganze Klavier-Standardrepertoire von Bach bis Schostakowitsch umfassen, darunter komplette Einspielungen der Werke von Chopin oder Rachmaninow, der Konzerte von Mozart und Beethoven oder der Geigensonaten Beethovens mit Itzhak Perlman. Seit 40 Jahren lebt Ashkenazy in der Schweiz, im luzernischen Meggen am Vierwaldstättersee.