Mit amerikanischer Musik von Gershwin und Ives wurde das diesjährige Lucerne Festival eröffnet. Riccardo Chailly dirigierte das engagiert aufspielende Lucerne Festival Orchestra mit viel Gefühl und Lust am Rhythmischen.
Er ist schon eine Wundertüte dieser Charles Ives. Er gilt er als eigenwilliger Einzelgänger und Enfant terrible mit Background als erfolgreicher Versicherungs-Agent, was auch die Redenschreiber von Bundespräsident Guy Parmelin beeindruckte. Viele seiner Werke gehorchen keinen Konventionen, unterlaufen Erwartungen, spielen virtuos mit musikalischen Versatzstücken, provozieren Ratlosigkeit oder lassen schlicht Befremden zurück.
Damiano Michieletto erhielt von der neuen Direktorin Lilli Paasikivi den Auftrag, Verdis «Traviata» für ihre erste Seebühnen-Produktion zu inszenieren. Er tat, was er schon immer gut konnte: Schöne Bilder schaffen.
Zuerst aber, da gilt es zu erzählen von einer Stimme: Die finnische Sopranistin Marjukka Tepponen , auf dem Paasikivi-Radar schon zu Zeiten ihrer Intendanz am Opernhaus in Helsinki, durfte von den drei Violettas, denen diesen Sommer Seebühnen-Format zugetraut wird, die Premiere singen. Es war eine Demonstration, was man vokal mit dieser Partie anstellen kann. Natürlich – Verstärkung sei Dank. Aber mit Mikrofon zu singen, diese Erfahrung machen viele in Bregenz, hat einzig zum Unterschied, dass man nicht ständig daran denkt, ob man wohl über das Orchester hinweg kommt.
Am Singen selbst ändert sich wenig, und Tepponen zog alle Register: Was sie in jeder Phrase mit dieser Partie anstellte, war schlicht hinreissend, berückend einfallsreich, sängerisch jederzeit souverän und in jedem Moment von einer unmittelbar nachvollziehbaren Schlüssigkeit. Da blieb auch für den Dirigenten Kirill Karabits das Unterstützen als edelste Aufgabe: Er setzte Akzente und Impulse, und konzentrierte sich weitgehend auf Koordination und eine aufmerksame Dynamik – nicht die schlechteste Haltung für diese Verdi-Oper.
Das Lucerne Festival steht im Zentrum unserer Sommernummer. Anne-Sophie Mutter kann an dem Ort, wo ihre ganz grosse Karriere begann, ihr 50jähriges Bühnenjubiläum feiern. Mit Augustin Hadelich steht ein anderer herausragender Geiger als Artiste Etoile im Zentrum des Festivals. Mit ihm sprachen wir über sein Leben in der alten und neuen Welt. Und auch Sebastian Nordmann erläutert im Interview sein Festival-Motto «American Dreams». Auch den neuen Leiter der Lucerne Festival Academy, Jörg Widmann, stellen wir vor.
Die Sommerfestivals bieten aber auch vielen anderen Klassik-Künstlern schöne Plattformen. Wir präsentieren Albrecht Mayer in Thun, Boris Giltburg in Klosters oder Astrig Siranossian im Engadin, den Klarinettisten Matthew Hunt im Musikdorf Ernen, Daniel Hope als neuen Intendanten beim Menuhin-Festival in Gstaad oder auch Damiano Michieletto mit seiner «Traviata»-Produktion für die Seebühne in Bregenz.