Oldenburg bietet dem Virus die Stirn

Das Oldenburgische Staatstheater hat mit den Premieren «Zaide» und «Draussen vor der Tür» am vergangenen Wochenende zwei Produktionen vorgestellt, deren Regiekonzept die bestehenden Abstandsregelungen integriert. Auf lange Sicht ist der Verzicht auf körperliche Nähe auf der Bühne jedoch künstlerisch nur schwer denkbar. Daher hat sich das Staatstheater im engen Austausch mit dem Oldenburger Gesundheitsamt und dem Ministerium für Wissenschaft und Kultur in eine Vorreiterrolle begeben und startet mit einem Pilotprojekt in die neue Spielzeit.

Zum Probenstart der Opernproduktion «Don Pasquale» haben sich alle Beteiligten freiwillig in eine feste Gruppe begeben, um unter Normalbedingungen proben zu können. Das gesamte 12-köpfige künstlerische Team hat sich freiwillig zur Teilnahme an dem Pilotprojekt bereiterklärt und sich unter strengsten Hygienemassnahmen selbst eine Art Probenquarantäne verordnet. Dazu gehören: Lüften, Regelmässiges Fiebermessen vor den Proben, wöchentliche Corona-Tests, möglichst umfassende Reduktion von Aussen-Kontakten, nach der Premiere Tests 24 Stunden vor jeder Vorstellung. Auf die Resultate ist man nicht nur in Oldenburg gespannt.

Eröffnung des erweiterten Stadtcasino Basel

Gesamtsanierung und Erweiterung Stadtcasino Basel
© Roman Weyeneth, Stadtcasino Basel

Restaurierter Glanz mit einem Schuss Sinnlichkeit und Engadiner Luft: Mit Fastnacht und Alpsegen, mit Märchen-Fantasien und perkussiven Sphärenklängen wurde das durch die Architekten Herzog und De Meuron erweiterte Basler Stadtcasino eröffnet. Drei Uraufführungen, drei Reden und eine klare Antwort auf die bangste Frage: Ja, Basel hat noch immer einen der akustisch besten Musiksäle der Welt. 

Die Lüftung! Schon in der heute überall üblichen «Handy-Aus»-Aufforderung über Lautsprecher zu Beginn des Konzerts, kommt in Basel unhörbar leise Lüftung vor. Kein Wunder: bisher gab es keine. Auch Christoph Gloor, der Präsident der Casino-Gesellschaft, betonte in seiner Eröffnungsrede die Qualität dieses Wunderwerks, das eine Luft in den Saal blase, die besser sei als frische Engadiner Luft. Continue reading

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© Gneborg / Bundesamt für Kultur

Jossi Wieler erhält Hans-Reinhart-Ring

Der Schweizer Grand Prix Theater / Hans-Reinhart-Ring geht in diesem Jahr an Jossi Wieler. Er zählt zu den international renommiertesten Opern- und Theaterregisseuren. Die weiteren fünf Theaterpreise erhalten der Regisseur Boris Nikitin, die Puppenspielerin Kathrin Bosshard, der Autor und Dramaturg Mats Staub, die Szenografin Sylvie Kleiber und das Genfer Théâtre du Loup. Mit dem Schweizer Kleinkunstpreis wird das Duo Les Diptik ausgezeichnet.

Jossi Wieler, geboren 1951 in Kreuzlingen, lebt heute in Berlin und zählt seit einem Vierteljahrhundert international zu den Erneuerern des Musiktheaters. Er studierte Regie an der Universität Tel Aviv, arbeitete viele Jahre als Schauspielregisseur und erhielt für seine Inszenierungen zahlreiche Auszeichnungen. Seit 1994 inszeniert er gemeinsam mit Sergio Morabito auch für das Musiktheater. Ihre Zusammenarbeit ist geprägt vom gegenseitigen Dialog und von der sinnlichen Durchdringung der jeweiligen Partitur nach ihrer gesellschaftspolitischen Relevanz für die Gegenwart. An der Staatsoper Stuttgart, deren Intendant Jossi Wieler von 2011 bis 2018 war, erarbeitete das Regie-Duo über 25 Produktionen. Ende Februar 2020 realisierten sie Giacomo Meyerbeers «Les Huguenots» am Grand Théâtre de Genève.

Der Schweizer Grand Prix Theater / Hans-Reinhart-Ring setzt die Tradition des seit 1957 von der Schweizerischen Gesellschaft für Theaterkultur (SGTK) verliehenen wichtigsten Schweizer Theaterpreises fort und ehrt eine Persönlichkeit oder Institution des Schweizer Theaterschaffens. Die Preissumme beträgt 100’000 Franken.