Ein Speer ist ein Speer und ein Drache ist ein Drache

Es ist das grosse Abschieds-Projekt von Andreas Homoki als Intendant des Zürcher Opernhauses: Zusammen mit dem neuen Generalmusikdirektor Gianandrea Noseda bringt er Wagners «Ring des Nibelungen» auf die Bühne. Das «Rheingold» zeigt nun, wie das wird: Man muss nicht unbedingt die Welt erklären mit Wagners «Ring», man kann auch einfach die Geschichte erzählen.

Loge, der Aussenseiter in der Götterwelt © Monika Rittershaus

Ein Speer ist ein Speer, ein Ring ist ein Ring, Gold ist Gold und der Drache ist ein Drache: Andreas Homoki und sein Ausstatter Christian Schmidt erzählten das «Rheingold», den Auftakt zu Wagners Tetralogie, ohne deutenden Überau und intellektuelle Interpretationsbemühungen. Theater ist Theater, und weil Homoki es damit sehr genau nimmt und mit seinen Figuren detailliert arbeitet, funktioniert das auch bestens.

Gewisse Grenzen gibt es gleichwohl: Den Auftakt unter Wasser auf dem Grund des Rheins zu spielen, wäre eine nicht so leicht umsetzbare Absicht, und so finden wir uns gleich zu Beginn in den grosszügigen Räumen einer Villa, wie sie Wagner selbst bewohnt haben könnte, vielleicht sogar nachempfunden den Räumen am Zeltweg oder dem «Asyl» der Villa Wesendonck, in denen Wagner in den 1850er-Jahren in Zürich wohnte und den «Ring» konzipierte, dichtete und bis ins zweite Drittel «Siegfried» auch komponierte. Continue reading

Riccardo Chailly dirigiert Mendelssohn und Wagner beim Lucerne Festival

Im neu konzipierten Programm des Lucerne Festivals hat eine Frühlings-Residenz des eigenen Orchesters unter dessen Chefdirigenten Riccardo Chailly die früheren Osterfestspiele abgelöst. Für die erste Ausgabe über das verlängerte Palmsonntag-Wochenende stellte Chailly die Sinfonien von Mendelssohn ins Zentrum und konfrontierte sie mit Musik seiner Zeitgenossen. Im ersten Programm vom Freitag mit Richard Wagner.

Riccardo Chailly dirigiert Mendelssohn © Priska Ketterer / Lucerne Festival

Ganz klar, wer da von wem geklaut hat: Riccardo Chailly stellte mit voller Absicht Wagners «Parsifal»-Vorspiel vor Mendelssohns «Reformationssinfonie». Denn beide Stücke verwenden an zentralen Stellen ein gemeinsames Motiv. Mendelssohns Sinfonie entstand schon 1829/30, Wagner schrieb seinen «Parsifal» erst 1880. Klarer Fall also, wer da bei wem abgeschrieben hat.

Continue reading