Michael Haefliger verlässt das Lucerne Festival Ende 2025

Michael Haefliger hat sich entschieden, seinen bis Ende 2025 laufenden Vertrag als Intendant bei Lucerne Festival nicht mehr zu verlängern. Der Stiftungsrat hat für die Suche einer Nachfolge eine Findungskommission eingesetzt, die eine internationale Ausschreibung durchführen wird.

Michael Haefliger © Daniel auf der Mauer

Michael Haefliger, der das Lucerne Festival seit 1999 leitet, hat sich entschieden, seinen bis Ende 2025 laufenden Vertrag nicht mehr zu verlängern. Michael Haefliger: «Natürlich ist mir dieser Entscheid nicht leichtgefallen. Aber Ende 2025 werde ich Lucerne Festival 26 Jahre geleitet haben. Das ist eine sehr lange Zeit, in der ich das Privileg, die Ehre und die Freude hatte, dieses einzigartige Festival zu entwickeln und zu gestalten. Ich bin sehr stolz und dankbar, was wir in dieser Zeit zusammen mit dem Team und unseren vielen treuen Partnern sowie der Unterstützung von Stadt und Kanton Luzern erreichen konnten. Es ist der richtige Zeitpunkt, um dieses Juwel in neue Hände zu legen. Zuerst werde ich mich jetzt aber in den kommenden drei Jahren mit unverändert grosser Leidenschaft und Energie für das Festival einsetzen. Ich freue mich auf alles, was noch kommt.» Continue reading

Anklage gegen jede Aggression

Die Martinu-Festtage in Basel stellen dieses Jahr den tschechischen Komponisten Miloslav Kabelác in den Mittelpunkt. Beim Eröffnungskonzert in der Pauluskirche erklang seine achte Sinfonie – ein flammender Protest gegen Aggression und Gewalt. Kabelác schrieb sie als Reaktion auf den Einmarsch der Truppen des Warschauer Pakts in die Tschechoslowakei 1968. Angesichts von Putins Angriff auf die Ukraine ist sie aktueller denn je.

Chorpracht zur Eröffnung der Martinu-Festtage © Benno Hunziker

Kein Zweifel, er wollte laut sein, Miloslav Kabelác, als die Panzer des Warschauer-Pakts seine Heimat überrollten und dem kurzen Tauwetter des «Prager Frühling» ein Ende machten. «Mene Tekel» schrie er mit seiner achten Sinfonie in die Welt hinaus, zitierte weitere Worte aus der Bibel und auch das gregorianische «Dies irae». Wer im überaus ruhigen vierten Satz Zeichen der Versöhnung und der Hoffnung zu hören glaubt, wird im Finale nur noch brutaler auf den Boden der Realität zurück geworfen.

Diese Sinfonie, die kein Orchester kennt, sondern nur riesiges Schlagzeug, Orgel, grossen Chor und einen Koloratursopran, ist eine Anklage, eine Auflehnung gegen die Machenschaften der Mächtigen und ein fast schon Cassandra-hafter Ruf, dass nichts mehr gut und gerecht und menschenwürdig werden kann. Den Fall des Eisernen Vorhangs hat Kabelác nicht mehr erlebt: Er starb 1979, und seine achte Sinfonie ist sein letztes grosses vollendetes Werk.

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Daniel Barenboim zieht sich zurück

© Harald Hoffmann / Deutsche Grammophon

Er musste in den letzten Wochen und Monaten viele seiner Auftritte absagen. Darunter auch das Dirigat von Wagners «Ring des Nibelungen» an der Berliner Staatsoper. Und das von ihm bei den Salzburger Festspielen dirigierte Konzert mit zwei anstrengenden Opernakten wurde für das Publikum wie wohl auch für alle Beteiligten zur traurigen Qual. Nun hat Daniel Barenboim die Konsequenz gezogen und in einem persönlichen Schreiben seinen vorläufigen Rückzug vom Podium mitgeteilt:

«Mit einer Mischung aus Zuversicht und Traurigkeit gebe ich heute bekannt, dass ich mich in den kommenden Monaten von einigen meiner Auftritte, insbesondere von Dirigaten, zurückziehen werde. Mein Gesundheitszustand hat sich in den letzten Mona- ten verschlechtert und es wurde eine schwere neurologische Krankheit bei mir diagnostiziert. Ich muss mich jetzt so weit wie möglich auf mein körperliches Wohlbefinden konzent- rieren. Die Musik war und ist ein wesentlicher Bestandteil meines Lebens. Ich habe mein ganzes Leben durch die Musik gelebt und werde dies auch weiterhin tun, solange es mir meine Gesundheit erlaubt. Wenn ich zurück und nach vorne blicke, bin ich nicht nur zufrieden, sondern zutiefst erfüllt.»