Alain Perroux und sein erster Spielplan für Genf

April-Mai, es ist die Zeit der Spielplan-Präsentationen. Besonders spannend sind die dort, wo neue Intendanten ihre erste Saison vorstellen. Das konnte Alain Perroux tun, der ab Juni das Grand Théâtre de Genève führt und den Stab von Aviel Cahn übernimmt, der sechs Jahre lang ambitioniertes Musiktheater in die Rhonestadt brachte und ab nächster Saison in Berlin an der Deutschen Oper wirkt.
Perroux ist in Genf aufgewachsen. Er war Musikkritiker bei den lokalen Zeitungen, war selber Dramaturg am Grand Théâtre bevor er unter anderem für das Festival in Aix-en-Provence arbeitete. Die letzten fünf Jahre leitete er die Opéra du Rhin in Strassburg. Seine Genfer Intendanz stellte er bei einer Pressekonferenz in Zürich unter die drei Prämissen «Offenheit», «Vielseitigkeit» und «künstlerische Qualität».
Die Latte ist hoch gelegt worden von Aviel Cahn, und Alain Perroux zeigte sich denn auch voller Anerkennung für den Vorgänger. Viele seiner zahlreichen Projekte, mit denen über die regulären Vorstellungen hinaus Publikum angesprochen und das Haus für die verschiedensten Gruppen geöffnet wurde, will Perroux weiter führen. Dass wegen Sanierungsarbeiten im Ausweichquartier, dem ehemaligen Kraftwerk «Batîment des Forces Motrices», gespielt werden muss, sei anspruchsvoll, aber auch eine Chance zum Beispiel für das Musical (Sondheims «Company») oder die Barockoper: Händels «Theodora» verspricht mit Raphaël Pichons «Pygmalion»-Ensembles und inszeniert von Krzysztof Warlikowski besonders interessant zu werden.
In die Saison startet Alain Perroux mit einem Statement zu Genf: Frank Martin und dessen nur sehr selten gespielte Shakespeare-Oper «La Tempête» steht auf dem Programm. Der Spielplan hat seinen Mozart («Figaro», inszeniert von Jetske Mijnssen), seinen Rossini («Il Viaggio a Reims» aus der Sicht von Laurent Pelly) und seinen Puccini («La Fanciulla del West», dirigiert von Antonino Fogliani). Das zeitgenössische Musiktheater ist vertreten durch Kaija Saariahos «Only the Sound remains» (in der bekannten Inszenierung von Peter Sellars) und eine konzertante Version von Bernsteins «Candide» mit Lambert Wilson (ja: er singt auch). Und eingeladen hat Perroux auch die furiose Inszenierung der «Dreigroschenoper» von Barrie Kosky mit dem Berliner Ensemble.
Im Ballett steht seit fünf Jahren Sidi Larbi Cherkaoui an der Spitze. Er bringt eine neue Choreographie zum Thema «Dimokratía» mit dem Genfer Ballett heraus. Die Musik stammt vom griechischen Komponisten Dimitris Skyllas, das Bühnenbild von Antony Gormley. Unter dem Titel «Océans» stehen eine Choreographie von Damien Jalet, 2020 an der Opéra de Paris schon ausprobiert, und eine Uraufführung von Kyle Abraham. Und ebenfalls zwei Arbeiten – von Aszure Barton und Sharon Eyal – stehen unter der Affiche «Forces». Eine Wiederaufnahme aus der Saison 2023/24 (rw).
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