Das Opernhaus Zürich in der Saison 20-21

MIchael Volle © Carsten Sander
Michael Volle singt seinen ersten Boris

Zwölf Neuproduktionen, wie in den letzten Jahren üblich, umfasst die nächste Saison in Zürich. Es ist die letzte von Chefdirigent Fabio Luisi der ab 2021-22 von Gianandrea Noseda abgelöst wird. Der Intendant Andreas Homoki dagegen erhielt vor eineinhalb Jahren seinen Vertrag bis 2025 verlängert. Luisi selbst dirigiert mit Verdis «Simon Boccanegra» nur eine Neuproduktion, dennoch ist es eine sehr italienische Saison geworden, zum Beispiel mit Frauen-Power für Donizettis «Lucia di Lammermoor»: Speranza Scappucci dirigiert, Tatjana Gürbaca inszeniert und die amerikanische Sopranistin Lisette Oropesa singt die Titelrolle an der Seite von Piotr Beczala. Und dass vom früh verstorbenen Giovanni Battista Pergolesi mehr erhalten ist als das berühmte «Stabat Mater» und die Komödie «La Serva Padrona» beweist Ottavio Dantone mit «L’Olimpiade». Der berühmte ungarische Schauspielregisseur David Marton wird zum ersten Mal in Zürich arbeiten, mit Vivaca Genaux und Anna Bonitatibus stehen zwei hochkarätige Barocksängerinnen auf der Bühne.

Noch mehr Italien: Am Theater Winterthur kommt Donizettis vergnügliche Farce «Viva la Mamma» auf die Bühne, und Antonino Fogliani dirigiert eine konzertante Version von Rossinis selten zu hörender «Donna del Lago». Noch weit stärker prägt das Opernland Italien den gesamten Spielplan: «I vespri siciliani», «Maria Stuarda», «L’Elisir d’Amore», «Il Viaggio a Reims», «Il Barbiere di Siviglia», «I Puritani» « Don Pasquale», «Madama Butterfly» und «Don Carlo» werden wieder aufgenommen.

Das sicher spektakulärste Projekt der Saison aber ist das Musiktheater «Amerika» vom polnisch-israelischen Komponisten Roman Haubenstock-Ramati. Der Albtraum-Roman von Franz Kafka bot ihm 1969 die Basis für ein multimediales Spektakel, das bisher erst zweimal aufgeführt wurde. Sebastian Baumgarten und der deutsche Dirigent Gabriel Feltz wagen sich an die Herausforderungen dieses aufwändigen Musiktheaters.

Zwei Weltklasse-Baritone wählten das Zürcher Opernhaus für gewichtige Rollendebüts: Christian Gerhaher singt seinen ersten Simon Boccanegra. Wie schon für «Nabucco» übernehmen die Chefs Homoki und Luisi in dieser Verdi-Oper die Führung. Zur Saison-Eröffnung wird Michael Volle den Boris Godunow zum ersten Mal verkörpern, dies in der Regie von Barrie Kosky, der mit seinem «Macbeth» in Zürich mächtig für Furore sorgte. Kirill Karabits dirigiert Mussorgskys grosse Zarenoper.

Weitere Opernklassiker gibt’s auch nächste Saison, zum Beispiel Glucks «Orphée et Euridice», allerdings in der instrumentierten Version von Héctor Berlioz, die Stefano Montanari dirigieren und Christoph Marthaler inszenieren wird. Und der Hausherr Homoki inszeniert Offenbachs romantische Oper «Les Contes d’Hoffmann» mit Saimir Pirgu in der Titelrolle und Antonino Fogliani als musikalischem Leiter. Nach der «Arabella», die gerade Premiere hatte, wird auch nächste Saison eine selten gespielte Oper von Richard Strauss den Spielplan zieren: «Capriccio», das vielschichtige Konversationsstück nach Stefan Zweig, das mit Christof Loy ein sensibler Regisseur betreuen wird. Julia Kleiter singt nach der Arabella eine weitere grosse Frauenfigur von Richard Strauss, dies unter der Leitung von Markus Poschner.

Im Ballett programmiert Christian Spuck zwei populäre Klassiker, Tschaikowskys «Dornröschen», das er selber choreographieren wird, und Griegs «Peer Gynt», den der Slowene Edward Clug als Fantasy-Spektakel auf die Bühne bringt. Dazu kommt ein dreiteiliger Abend mit neuen Choreographien von Jo Strømgren, Louis Stiens und Itzik Galili.

Gleich zwei Stücke sind dem jungen Publikum gewidmet, das Auftragswerk «Alice im Wunderland», das Pierangelo Valtinoni nach dem berühmten Kinderbuchklassiker von Lewis Carroll im Auftrag des Opernhauses komponierte. Die zweite Kinderoper ist Wolfgang Mitterers Version des Grimm-Märchens «Das tapfere Schneiderlein».

Der Chefdirigent Fabio Luisi hat während seiner Zürcher Jahre das Zürcher Opernorchester auch im Konzertbereich mit sinfonischen Programmen und einer mittlerweile stattlichen Reihe von CD-Produktionen stark aufgewertet. Auch nächste Saison wird er diese Schiene weiter pflegen, mit Musik von Brahms und Franz Schmidt, mit der Fortsetzung das Zyklus der Beethoven-Klavierkonzerte mit der italienischen Pianistin Beatrice Rana und mit Mahlers Neunter Sinfonie. Der künftige Chefdirigent Gianandrea Noseda leitet das «Deutsche Requiem» von Brahms, Riccardo Minasi arbeitet wiederum mit der Barockformation «La Scintilla» des Zürcher Opernorchesters. In Liederabenden sind nächste Saison Anja Harteros, Bryn Terfel, Juan Diego Flórez und Jonas Kaufmann zu hören. Abonnemente gibt’s ab April 2020, der Einzelkarten-Verkauf startet am 20. Juni. http://www.opernhaus.ch

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