Neues von Mozart

Bass-Stimme des wieder entdeckten Trios in einer anonymen Abschrift.

Die «kleine Nachtmusik» kennen alle, jetzt aber gibt es eine «ganz kleine Nachtmusik» neu zu entdecken. Mozarts Schwester Nannerl prägte den Begriff in einem Brief von 1800 an den Verlag «Breitkopf & Härtel». Das Werklein, das mit grosser Sicherheit von Mozart im frühen Teenager-Alter komponiert wurde, tauchte in der Städtischen Bibliothek Leipzig auf. Es ist eine Abschrift von unbekannter Hand und wurde aufbewahrt unter weiteren Manuskripten des Mendelssohn-Freundes Carl Ferdinand Becker.

Dessen Sammlung ist sehr interessant für die Musikwissenschaft und wurde deswegen digitalisiert. So kam auch der Mozart-Forscher Ulrich Leisinger vom Salzburger Mozarteum auf die Spur des Werks und konnte es nun Mozart zuordnen. Stilistisch passt die Serenade, die aus sieben kurzen Sätzen von zwölf Minuten Dauer für Streichtrio besteht, gut zum jungen Mozart. Interessant ist, dass sie schon auf dem Manuskript Mozart zugeordnet wurde, allerdings einem «Wofgang Mozart» (also ohne das «l»). Den Vornamen Wolfgang hat Mozart selten benutzt, er taucht bei ihm nur vor der ersten Italienreise auf, ein weiteres Indiz für die Datierung des neu aufgefundenen Stücks.

Natürlich hat man die neue Serenade gleich auch gespielt: Am 19. September 2024 in Salzburg fand die moderne Uraufführung mit einem Ensemble aus Nachwuchsmusikern statt, und auch in Leipzig erhielten zwei Tage später drei junge Musikschüler die Ehre einer Erstaufführung. 2000 Leute wollten in Foyer der Leipziger Oper das neue Stück hören, bloss 1000 konnten zugelassen werden, die anderen erhielten bei einer spontanen Wiederholung auf dem Opernvorplatz doch noch Gelegenheit, das unbekannte Werk zu hören.

Und bei der Deutschen Grammophon ist auch schon eine Aufnahme erschienen. Was heisst eine? Es sind gleich drei geworden: Die moderne Uraufführung in Salzburg durch ein Ensemble aus Teenagern, die Interpretation von>Haruna Shinoyama und Neža Klinar (Violinen), Philipp Comploi (Cello) und Florian Birsak (Cembalo). Und das Gewandhausorchester Leizpig realisierte unter dem 98jährigen Herbert Blomstedt die erste Orchesterfassung. Aber natürlich ist auch Youtube bereits gut gefüllt mit Interpretations-Varianten verschiedenster Formationen.

Die mittlere Version wurde gespielt bei der Präsentation des neu edierten Köchel-Verzeichnisses in Salzburg am 19. September. Es hat seinen gern mal zu «Knöchel» verballhornten Namen von Ludwig Alois Friedrich Ritter von Köchel (1800–1877), der erstmals für Ordnung unter Mozarts Werken sorgte. Passenderweise war der Ritter nebenberuflich als Botaniker und Mineraliensammler tätig. Der gewundene Titel der Erstausgabe aus dem Jahr 1862 umschreibt genau, worum es ging: «Chronologisch-thematisches Verzeichniss sämmtlicher Tonwerke Wolfgang Amade Mozart’s. Nebst Angabe der verloren gegangenen, angefangenen, übertragenen, zweifelhaften und unterschobenen Compositionen desselben».

Dem trägt die jüngste Neuausgabe Rechnung, die nun, volle sechzig Jahre nach der letzten und als Ergebnis von achtzehn Jahren Forschung, publiziert wurde und fortan auch online einsehbar ist. Sie verwirft die Idee der chronologischen Abfolge und behält die bekannten Nummerierungen bei, aber Zahlenmystiker müssen trotzdem stark sein: Die 626 steht nicht länger für das Ende aller Mozart-Töne – es geht weiter. Vorerst bis «KV 721», einem Lied mit dem vielversprechenden Titel «Prüfung des Küssens», der Notentext ist leider verschollen. Insgesamt 95 Werke hat die federführende Stiftung Mozarteum in Salzburg neu in den Katalog aufgenommen. Der umfasst in seiner gedruckten Version jetzt nicht weniger als 1392 Seiten, und der «ganze Mozart» wiegt – wie die begleitende Medienmitteilung stolz als «Fun-Fact» vermerkt – knapp drei Kilogramm. Mozart hätte dieser skurrile Nachweis seiner Lebensleistung sicher gefallen. Die «ganz kleine Nachtmusik» übrigens erhielt die Nummer 648.

Lilo Baur erhält den Hans-Reinhart-Ring 2024

Lilo Baur © Charlotte Krieger / BAK

Lilo Baur, 1958 im Aargau geboren, hat ihre Karriere als Schauspielerin und Regisseurin überwiegend in London und Paris gemacht. Heute arbeitet sie vor allem als Theater- und Opernregisseurin an grossen Häusern wie der Comédie-Française oder der Opéra Comique in Paris. Sie inszeniert aber auch immer wieder in der Schweiz und ist Gastdozentin an der Manufacture in Lausanne. Im Oktober 2023 wurde «Une journée particulière» nach dem gleichnamigen Film von Ettore Scola im Théâtre de Carouge in Genf uraufgeführt. An der Comédie-Française stehen in der kommenden Saison 2024/25 «L’Avare» von Molière und «La Souricière» von Agatha Christie auf dem Spielplan.

Stets ausgehend von der körperlichen Ausdruckskraft und in Zusammenarbeit mit dem ganzen Ensemble, entwickelt Lilo Baur mit Feinsinn, Sinnlichkeit und einer Prise Humor Bühnenwelten, die das breite Spektrum der menschlichen Seele erforschen.

Weitere Schweizer Preise Darstellende Künste 2024 gehen an Anne Delahaye, Petra Fischer, Ursina Greuel, Ueli Hirzel, Marchepied Cie, Old Masters, Ivy Monteiro, Philippe Olza und Adina Secretan.

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Erfreuliche Bilanz des Lucerne Festivals

Monumentale Gurre-Lieder zum Abschluss © Peter Fischli / LF

90 Prozent Auslastung in den Sinfoniekonzerten, 84 Prozent über alle Veranstaltungen betrachtet: Das Lucerne Festival ist sehr zufrieden mit den Zahlen der Sommer-Ausgabe 2024, die mit der Aufführung der monumentalen «Gurre-Lieder» von Arnold Schönberg mit 270 Mitwirkenden unter der Leitung von Alan Gilbert zu Ende ging. Rund 81’000 Menschen kamen zu den 158 Veranstaltungen in 34 Tagen, weitere 18’600 besuchten die Gratis-Konzerte. Das Lucerne Festival unterstrich damit seine Bedeutung als grösstes Klassik-Festival der Schweiz.

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