Paul Klee: Geiger oder Künstler?

Die Sängerin der komischen Oper, 1925, 225 Lithographie 41,5 × 28,5 cm © Zentrum Paul Klee, Bern

Aufgewachsen in einem von Profimusikern geprägten Elternhaus und von Kindheit an selbst ein begabter Geiger, entschied sich Paul Klee erst spät für eine Laufbahn als bildender Künstler. Sein erstes Auskommen suchte er als Geiger in Bern, erst mit 27 stellte er die Weichen definitiv für die Kunst. Der Musik blieb er gleichwohl zeitlebens eng verbunden. Er spielte täglich mindestens zwei Stunden Geige und musizierte oft im Duett mit seiner Frau Lily Klee, einer Pianistin. Die Musik, insbesondere die von Bach und Mozart, inspirierte zudem stark Paul Klees Schaffen als bildender Künstler.

Bildtitel wie «Fuge in rot», «Rhythmische Landschaft», «Hoffmanneske Szene» oder «Eine Blume tritt auf» verweisen auf die Musik. Gerade auch die Oper hatte es Klee angetan: Eine seiner Lithographien heisst «Die Sängerin der Komischen Oper». Andere Werke spielen nicht nur mit den Symbolen der Musik oder der Notation wie Stimmgabeln oder Notenschlüsseln, sondern sind wie zum Beispiel das Portrait «Leontine» aus einer Linie gemalt, die sich nicht nur zum Gesicht einer Sängerin formt, sondern auch in ihrer linearen Gestaltung als eine Spannungskurve lesen lässt, die einem melodischen Verlauf nachempfunden sein könnte.

das licht und die Schaerfen, 1935, 102 Aquarell und Bleistift auf Papier auf Karton 32 × 48 cm © Zentrum Paul Klee, Bern

Vom 20. Februar bis 1. Juni 2025 präsentiert das Zentrum Paul Klee im Rahmen seiner dynamischen Dauerausstellung «Kosmos Klee. Die Sammlung» einen thematischen Schwerpunkt zu den musikalischen Aspekten in Paul Klees Leben und Werk im Fokus-Raum. Anhand von Werken aus der Sammlung, Archivalien und einer Auswahl von Musikstücken wird die Verbindung von Musik und Kunst in Klees Werk sowie seine Liebe zur klassischen Musik in den Fokus gerückt.

Reinmar Wagner

Musik & Theater 3-4.2025 ist erschienen

Dass die Karriere und das Leben von Maria Callas kinotauglich sind, wird niemand bezweifeln, und zahlreiche Produktionen haben das auch schon bewiesen. Der chilenische Regisseur Pablo Narraín stellte sie nun seinen Portraits von Lady Di und Jackie Onassis als dritte einer Trilogie weiblicher Ikonen des 20. Jahrhunderts an die Seite. Angelina Jolie spielt die Operndiva – und mehr noch, sie singt sie auch! Wir haben uns den Film über die letzten Tage der Callas in Paris angesehen, und wir haben zugehört – der originalen Stimme und ihrem aktuellen Double. Den Artikel finden Sie hier.

Weitere Themen in unserer Frühlings-Ausgabe sind zum Beispiel der albanische Tenor Saimir Pirgu, der in Zürich gerade in Puccinis «Manon Lescaut» singt, oder der japanische Pianist Mao Fujita, der aufhorchen lässt nicht nur mit seinen eigenwilligen Mozart-Interpretationen. Wir trafen die Geigerin Rachel Kolly und erfuhren von ihr viel Interessantes über die Geschichte des Vibratos, wir würdigen die Karriere von Edith Mathis oder präsentieren die Gewinner der International Classical Music Awards. Das Inhaltsverzeichnis der Ausgabe 3-4.2025 finden sie hier.

Schiffbruch für das Luzerner Theater

Projekt-Skizze des Neubaus © Luzerner Theater

Von den etablierten Parteien war keine dagegen, nicht einmal die SVP. Praktisch sämtliche Institutionen standen hinter dem aus einem sorgfältig geführten Wettbwerb hervorgegangen Projekt eines Theaterneubaus beim bestehenden Gebäude auf dem Platz neben der Jesuitenkirche. Dennoch hat sich eine Mehrheit der Luzerner Stimmbevölkerung gegen das Projekt entschieden. Die Gründe sind viel- und tiefschichtig, ein zentrales Argument war sicherlich der städtebaulich herausfordernde Ort mitten im historischen Luzerner Stadtbild.

Wie es weiter geht, ist damit vollkommen offen. Die Gegner waren einfach dagegen, alternative Ideen wurden nicht präsentiert. Zugespitzt kann man festhalten: Im bestehenden Bau ist Stadttheater auf dem bisherigen Niveau nicht möglich. Und ein neues Luzerner Theatergebäude kann entweder am bestehenden Ort untergebracht werden – aber dann sicher nur praktsich unsichtbar, sprich unterirdisch – oder an die Peripherie gebaut werden. Ob man das wirklich will in Luzern? Die Diskussionen sind offener denn je, nach der «Salle modulable» erleidet ein weiteres Kultur-Projekt in Luzern spektakulär Schiffbruch. Wir sind ja dankbar, dass immerhin das KKL seinerzeit hat realisiert werden können. (rw)