Horror hinter der Glitzer-Fassade
Kornél Mundruczó verlegt Paul Hindemiths Krimi-Oper «Cardillac» in Zürich in einen grossen Horror-Laden.

Wir sind da, wo teure Sachen verkauft werden, die auch dann viel kosten, wenn sie nicht besonders kostbar wären. Wir kennen das von Shopping Malls oder Flughäfen. Eine schick gekleidete Kundschaft scheint nicht besonders kauflustig, aber greift dann doch eifrig zu wie die zahlreichen Tragtaschen beweisen. Die Inszenierung hat sich einen Spass daraus gemacht, bekannte Nobelmarken gekonnt zu persiflieren. Natürlich gibt es auch einen Hochglanz-Schmuckladen hier. Sein Logo ist das grosse C, aber wir wissen, dass der Designer Cardillac heisst.
Er gilt als Superstar, er kann mit Gold umgehen, wie kein zweiter, er kreiert Kunstwerke für die man buchstäblich über Leichen geht. Das jedenfalls ist der Schickeria hier schon von Anfang an klar: Wer bei Cardillac kauft, ist meistens sehr bald tot. Was sie nicht wissen: Der Goldschmied selber steckt hinter den Morden. Er kann seine Schöpfungen nicht aus der Hand geben, jedenfalls ist es das, was E. T. A. Hoffmann uns in «Das Fräulein von Scuderi» erzählt hat.
Der Regisseur Kornél Mundruczó, der von Matthias Schulz erstmals nach Zürich geholt wurde, sieht das noch etwas anders: Bei ihm ist Cardillac ein Wrack, ein Alkoholiker, der die Nächte zusammengekrümmt auf der Toilette seines Ladens verbringt und dort seine Räusche ausschläft. Seine Tochter räumt hinter ihm her und versucht ihn zu schützen. Zusammen schaffen sie es, den Schein aufrecht zu erhalten.


