Kategorie: Allgemein

Horror hinter der Glitzer-Fassade

Kornél Mundruczó verlegt Paul Hindemiths Krimi-Oper «Cardillac» in Zürich in einen grossen Horror-Laden.

Bilder © Monika Rittershaus / Opernhaus Zürich

Wir sind da, wo teure Sachen verkauft werden, die auch dann viel kosten, wenn sie nicht besonders kostbar wären. Wir kennen das von Shopping Malls oder Flughäfen. Eine schick gekleidete Kundschaft scheint nicht besonders kauflustig, aber greift dann doch eifrig zu wie die zahlreichen Tragtaschen beweisen. Die Inszenierung hat sich einen Spass daraus gemacht, bekannte Nobelmarken gekonnt zu persiflieren. Natürlich gibt es auch einen Hochglanz-Schmuckladen hier. Sein Logo ist das grosse C, aber wir wissen, dass der Designer Cardillac heisst.

Er gilt als Superstar, er kann mit Gold umgehen, wie kein zweiter, er kreiert Kunstwerke für die man buchstäblich über Leichen geht. Das jedenfalls ist der Schickeria hier schon von Anfang an klar: Wer bei Cardillac kauft, ist meistens sehr bald tot. Was sie nicht wissen: Der Goldschmied selber steckt hinter den Morden. Er kann seine Schöpfungen nicht aus der Hand geben, jedenfalls ist es das, was E. T. A. Hoffmann uns in «Das Fräulein von Scuderi» erzählt hat.

Der Regisseur Kornél Mundruczó, der von Matthias Schulz erstmals nach Zürich geholt wurde, sieht das noch etwas anders: Bei ihm ist Cardillac ein Wrack, ein Alkoholiker, der die Nächte zusammengekrümmt auf der Toilette seines Ladens verbringt und dort seine Räusche ausschläft. Seine Tochter räumt hinter ihm her und versucht ihn zu schützen. Zusammen schaffen sie es, den Schein aufrecht zu erhalten.

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Lucerne Festival: Der erste Sommer des Neuen

Der neue Intendant des Lucerne Festivals, Sebastian Nordmann, hatte zum ersten Mal Gelegenheit, das Programm eines Sommerfestivals zu präsentieren. Erstes Fazit: Kein Bildersturm, keine Revolutionen, keine Betonung einer neuen Handschrift, kein Konzept, das über die Programme gestülpt würde.

Prof. Dr. Sebastian Nordmann
Intendant Luzern Festival © Marco Borggreve

Ausser: «Amerika» als Motto – ausgerechnet in diesen Zeiten der Irritationen durch einen unberechenbaren und narzisstischen US-Präsidenten. «American Dreams» genauer, wählte Nordmann, und erklärte sich an der Pressekonferenz und in einem Interview eloquent: «Wir stehen als Festival klar für Grundrechte sowie für demokratische und humanistische Werte ein. Gleichzeitig ist es nicht unsere Rolle, aktuelle amerikanische Politik zu kommentieren. Das Motto ist bewusst kultur- und nicht parteipolitisch gemeint: Wir bauen eine Kulturbrücke und heissen amerikanische Künstlerinnen und Künstler willkommen – wie etwa unseren «artiste étoile» Augustin Hadelich, Orchester wie das Met Orchestra oder die Pittsburgh Symphony.»

Er sei schon immer begeistert gewesen von der Vielfalt der amerikanischen Musikgeschichte, sagte Nordmann: «Beispielsweise bin ich ein grosser Fan der unverwechselbaren Musik Gershwins, der Minimalmusik von Steve Reich oder auch ein Bewunderer von Frank Zappas Yellow Shark. Das Motto «American Dreams» soll genau diese Vielfalt und Farbenpracht zum Ausdruck bringen. Viele dieser Komponistinnen und Komponisten konnten ihre Träume realisieren, ohne in Schubladen denken zu müssen. Die Idee, das Sommer-Festival unter das Motto «American Dreams» zu stellen, entstand im Kontext des 250-jährigen Jubiläums der Unabhängigkeit der USA.» Continue reading

Musik & Theater 1-2.2026 ist erschienen

Unsere Titelgeschichte ist dem isländischen Pianisten Vikingur Olafsson gewidmet. Anlass dafür, den eigenwilligen Klangforscher zum Gespräch zu treffen, war nicht nur seine neue CD, die programmatisch um Beethovens Klaviersonate op. 109 kreist. Sondern auch seine Wahl als Kurator des neuen Klavierfestivals «Pulse» beim Lucerne Festival, das im Mai stattfinden wird. Ein Gespräch über den überwältigenden Einfluss Johann Sebastian Bachs, musikalische Geschwisterbeziehungen und die Zeitlosigkeit von klassischer Musik, das Sie hier lesen können.

Im aktuellen Heft porträtieren wir zudem das Komponisten-Duo David Krakauer und Kathleen Tagg, die zusammen das diesjährige «Mizmorim»-Kammermusikfestival in Basel eröffnen. Zu Wort kommt der Tenor Pene Pati, der nicht nur ein Konzert in Gstaad singt, sondern im April auch in der Titelrolle von Mozarts Oper «La Clemenza di Tito» am Opernhaus Zürich zu hören sein wird. In unserer Kritiken-Rundschau blicken wir zum Beispiel auf Anna Netrebko in Zürich, die gesichtslose «Salome» in Berlin oder auf die erste Opern-Inszenierung von Thom Luz. Das gesamte Inhaltsverzeichnis finden Sie hier.