Lucerne Festival: Der erste Sommer des Neuen
Der neue Intendant des Lucerne Festivals, Sebastian Nordmann, hatte zum ersten Mal Gelegenheit, das Programm eines Sommerfestivals zu präsentieren. Erstes Fazit: Kein Bildersturm, keine Revolutionen, keine Betonung einer neuen Handschrift, kein Konzept, das über die Programme gestülpt würde.

Intendant Luzern Festival © Marco Borggreve
Ausser: «Amerika» als Motto – ausgerechnet in diesen Zeiten der Irritationen durch einen unberechenbaren und narzisstischen US-Präsidenten. «American Dreams» genauer, wählte Nordmann, und erklärte sich an der Pressekonferenz und in einem Interview eloquent: «Wir stehen als Festival klar für Grundrechte sowie für demokratische und humanistische Werte ein. Gleichzeitig ist es nicht unsere Rolle, aktuelle amerikanische Politik zu kommentieren. Das Motto ist bewusst kultur- und nicht parteipolitisch gemeint: Wir bauen eine Kulturbrücke und heissen amerikanische Künstlerinnen und Künstler willkommen – wie etwa unseren «artiste étoile» Augustin Hadelich, Orchester wie das Met Orchestra oder die Pittsburgh Symphony.»
Er sei schon immer begeistert gewesen von der Vielfalt der amerikanischen Musikgeschichte, sagte Nordmann: «Beispielsweise bin ich ein grosser Fan der unverwechselbaren Musik Gershwins, der Minimalmusik von Steve Reich oder auch ein Bewunderer von Frank Zappas Yellow Shark. Das Motto «American Dreams» soll genau diese Vielfalt und Farbenpracht zum Ausdruck bringen. Viele dieser Komponistinnen und Komponisten konnten ihre Träume realisieren, ohne in Schubladen denken zu müssen. Die Idee, das Sommer-Festival unter das Motto «American Dreams» zu stellen, entstand im Kontext des 250-jährigen Jubiläums der Unabhängigkeit der USA.»
So sind denn vom 13. August bis zum 13. September 2026 in Luzern zahlreiche dieser amerikanischen Werke zu hören, angefangen im Eröffnungskonzert mit Musik von Gershwin und Ives mit dem Lucerne Festival Orchestra unter Riccardo Chailly. Das Festival wird verstärkt in die Stadt getragen, mit Open Air-Konzerten oder dem neu konzipierten Strassenmusikfestival.
Auch mit den 20 auftretenden Sinfonieorchestern, wie üblich den besten der Welt, gibt es neue Ideen: «Mittendrin» ermöglicht dem Publikum zum Beispiel, beim Budapest Festival Orchestra unter Ivan Fischer mitten unter den Orchestermusikern zu sitzen.
Im Konzertsaal des KKL sind aber natürlich auch die Klassik-Superstars zu hören: Neben Martha Argerich, Cecilia Bartoli, Isabelle Faust, Víkingur Ólafsson und Yuja Wang sind in diesem Sommer erstmals oder nach langer Auftrittspause Solistinnen wie Ray Chen, Hilary Hahn oder Joyce DiDonato, Elisabeth Leonskaja und Yo-Yo zu erleben.
Einen besondern Fokus erhält Anne-Sophie Mutter, die ihr 50jähriges Bühnenjubiläum feiert: Ihre grosse Karriere begann 1976 als 13jährige in Luzern. Mit dem Lucerne Festival Orchestra tritt sie als Solistin auf und übernimmt gleichzeitig die musikalische Leitung bei drei Violinkonzerten von André Previn und Mozart, dazu spielt sie ein Solo-Stück der iranischen Komponistin Aftab Darvishi. Mit dem Pittsburgh Symphony Orchestra und Manfred Honeck interpretiert sie Krzysztof Pendereckis Zweites Violinkonzert.
Intensiv gepflegt, wie immer in Luzern, wird die neue und zeitgenössische Musik: Mark Andre ist Composer in Residence, die Lucerne Festival Academy wird erstmals von ihrem neuen künstlerischen Leiter, dem Komponisten, Klarinettisten und Dirigenten Jörg Widmann geleitet. Wir werden in M&T im Sommer auf ihn sowie auch auf Augustin Hadelich in Interviews zurück kommen.
Reinmar Wagner
Weitere Informationen und Karten: http://www.lucernefestival.ch
