Festival

Sehr hoch, sehr laut – und manchmal auch sehr verspielt

Das Musiker-Duo David Krakauer und Kathleen Tagg brillierte im «Mizmorim»-Eröffnungskonzert mit enormer klanglicher Vielfalt.

«Mizmorim»-Eröffnung mit Kathleen Tagg und David Krakauer © Liron Erel

«Shalom». Das erste Wort der Klarinettistin und «Mizmorim»-Intendantin Michal Lewkowicz ist natürlich erst einmal die normale jüdische Begrüssung. Aber es bedeutet auch Frieden, Gesundheit, Harmonie. Und es steckt drittens auch im Namen der Stadt Jerusalem, die dieses Jahr zum «Mizmorim»-Leitmotto erkoren wurde. Damit richtet das Festival den Fokus direkt auf einen der Brennpunkte aktueller Konflikte und betont gleichzeitig das Element der Hoffnung, das die uralte Stadt, die für die Kulturgeschichte von Juden, Muslime und Christen zentrale Bedeutung hat, ausstrahlt als Symbol dafür, «dass trotz aller kulturellen und religiösen Unterschiede ein Zusammenleben in Frieden möglich ist», wie Lewkowicz sagt.

Ein Aspekt, den auch Regierungsrätin Tanja Soland in ihrer Grussbotschaft aufgriff, und kurz die wechselvolle Geschichte Basels mit seiner jüdischen Mitbevölkerung – von Pogromen bis zur Synagoge und dem ersten Zionisten-Kongress 1897 – umriss. Seit Bestehen des Festivals hat Michal Lewkowicz den Fokus auf die vielfältigen Verbindungen der verschiedenen Kulturen gelegt. Die beiden Künstler des Eröffnungskonzerts könnten dieses Anliegen nicht besser repräsentieren: Kathleen Tagg, Strassenkünstlerin und Konzertpianistin aus Südafrika, traf in New York den dort aufgewachsenen David Krakauer, der sich als Klarinettist zwischen Klassik, Jazz und Klezmer bewegt.

Sie spielen durchaus auch mal Brahms zusammen, aber ihr Programm «The Ties than Bind us», das sie 2019 konzipierten und laufend verfeinern, blickt weit und quer durch die Musikwelt. Die Jazz-Ikone John Zorn spielt eine grosse Rolle darin, aber auch der syrische Musiker Kinan Azmeh, der New Yorker Rob Curto, der sich in brasilianische Rhythmen verliebte, oder die Klezmer-Adaptionen des moldawischen Akkordeonisten Emil Kroitor. Die Hauptrolle aber spielen die beiden Künstler selber, die sich diese Vorlagen auf sehr persönliche Weise angeeignet und daraus ein expressives Gesamtkunstwerk kreiert haben, das einen grossen Bogen über den ganzen Abend spannt.

Seine spektakuläre und überaus virtuose, auch immer wieder sehr variantenreiche und klanglich vielfältige Spielweise liess David Krakauer die Herzen des Publikums mühelos gewinnen. Die Pianistin sorgte mit ihren Zwischenspielen, die auf spannende Weise mit Raumklängen und gespeicherten Samples experimentieren, für ein willkommenes reflektierendes Element. Dazu kamen die Videos von Jesse Gilbert. Am interessantesten dabei waren die Kameras, die ins Innere des offenen Flügels blickten und offenbarten, was Kathleen Tagg dem Instrument so alles an ungewohnten klanglichen Reizen zu entlocken wusste. Das Anzupfen der Saiten mit den Händen oder das Trommeln auf dem schwarzlackierten Resonanzkasten haben einen festen Stellenwert in der zeitgenössischen Musik.

Aber die Verspieltheit und der Erfindungsreichtum, mit dem hier hantiert wurde, ging noch eine Stufe weiter: Papierblätter, Kartonschächtelchen, Foulards oder auch Halskettchen sorgten für immer neue überraschende Klänge, die sich dem Steinway abgewinnen liessen. Das war auch deshalb sehr willkommen, weil der Klarinettist – egal wie simpel oder unspektakulär sich die Anfangs-Patterns der Kompositionen anhörten – sehr gerne im Lauf der Stücke in energetisch extrem angereicherte Regionen kletterte: Sehr hoch und sehr laut und mit bewundernswerter Ausdauer und Zirkuläratmung sehr lang ausgehalten. Was aber halt doch bisweilen als «déjà-entendu» in unseren – jedenfalls meinen – Ohren ankam.

Damit war es lanciert das zwölfte «Mizmorim»-Festival, das in den fünf Tagen Konzerte zum Beispiel vom Gringolts Quartett und dem Klarinettisten Reto Bieri mit Musik zum 100. Geburtstag von Morton Feldman anbot. Von Bach über ganz aktuelle Stücke bis zu Volksliedern und Renaissance-Musik über Jerusalem reichte programmatisch die Palette. Der Oud-Virtuose Taiseer Elias half mit, die Grenzen zwischen den Stilen und zwischen improvisierter und notierter Musik zu verwischen. Und im Finale vereinten sich alle 15 Musikerinnen des diesjährigen Festivals zu einem Jerusalem-Potpurri, das auch eine Uraufführung des Kompositionswettbewerbs-Gewinners Mauricio Silva Orendain umfasste. Dazu bot das Festival Führungen, Einführungen, Vorträge, Diskussionen, ein Kinderkonzert und eine Reihe hörenswerter Podcasts zu ganz unterschiedlichen Themen auf der Webseite.

Reinmar Wagner


Von Bienen und Bäumen

To bee or not to bee: Was Bienen mit Shakespeare zu tun haben, erkundet das Basler «Interfinity»-Festival.

Szene aus «Like Flesh» von der Uraufführung 2022 in Lille. © Simon Gosselin / Opéra de Lille

Das vom Piansten Lukas Loss ins Leben gerufene Festival-Format beleuchtet gesellschaftlich relevante Fragen im Spannungsfeld von Kunst und Wissenschaft. Den Themen Biodiversität, Nachhaltigkeit und Stadtökologie war die Herbst-Ausgabe 2025 gewidmet. Im Zentrum des Programms stand die Kammeroper «Like Flesh» der israelischen Komponistin Sivan Eldar.

Ihre Handlung orientiert sich an Ovids «Metamorphosen»: Eine unzufriedene Förstersfrau verwandelt sich in einen Baum, wird Teil der Natur und des Waldes. Der wiederum bedroht ist durch Profit-Gier, Unverständnis, und natürlich auch von ihrem Mann, dem Förster. Das Musiktheater wurde 2022 in an der Opéra de Lille uraufgeführt, und erlebte in der Basler Voltahalle nun eine Neuinszenierung durch Dominique Pitoiset und Luca Scarzella.

Unter der Leitung von Georg Köhler sangen Maria Riccarda Wesseling, William Dazeley und Juliette Allen. Die Komponistin hält die Gesangslinien meistens in einem unaufgeregten Parlando, dem die drei Stimmen dennoch vielfältige Nuancierungen abzugewinnen vermochten. Für Dramatik, Stimmung und Atmosphäre aber sorgen andere. Die Videos zum Beispiel, die eindrücklich zeigen, wie brutal Maschinen mit gewachsenem Holz umgehen. Oder die Elektronik, die von den Pariser IRCAM-Klangtüftlern entwickelt wurde, und die auch bei der Aufführung in Basel viel Wirkung entfaltete. Fast unmerklich verschwimmen diese Klänge mit den subtilen Linien der Orchesterinstrumente.

Einen noch stärkeren Eindruck allerdings machte der Chor, der wie in der antiken Tragödie das Geschehen begleitet und kommentiert und hier ganz besonders suggestiv die Stimme der Natur und des Waldes zum Ausdruck bringt. Er wurde herausragend gesungen vom Basler Vokalensemble Voces Suaves. Zudem hat das Festival für die Basler Aufführung, getreu dem Motto von «Interfinity», Kunst und Wissenschaft zu verbinden, das Setting erweitert: Wissenschaflter durchbrechen das Geschehen mit Kommentaren und Texten aus ihrer Sicht zu Themen aus der Mikrobiologie beispielsweise.

Mehr zum «Interfinity»-Festival lesen Sie auch in M&T 9-10.2025. Ausschnitte der Produktion sind auf der «Interfinity»-Webseite zu finden. Von der Uraufführung in Lille wurde auch eine CD-Produktion veröffentlicht (b-records, LBM077).

Reinmar Wagner


Die Macht der Bilder im Reich der Töne

Eindrücke von den Salzburger Festspielen 2025

Liebesnest im Betonbunker: Händels «Giulio Cesare». © Monika Rittershaus / Salzburger Festspiele

Die musikalische Qualität stimmt an der Salzach. Immer noch. Dank der Orchester – von den Wiener Philharmonikern, die hier traditionell den Ton angeben, bis zu den gastierenden Klangkörpern mit anderen Farben. Auch dank des Stelldicheins einer ganzen Phalanx von Stars und auch klug geplanter kleiner Formen. Auch als halbszenisch angekündigte Produktionen machten Furore. Hier kam Mozart zu Bühnenehren: die eine Vorstellung mit «Mitridate» des 14jährigen und die drei geschickt als «Zaide oder der Weg des Lichts» komplettierten Vorstellungen des Fragments lösten Begeisterung aus.

Im Grunde lieferte auch Peter Sellars mit seiner Schönberg-Mahler Kombination «One Morning Turns Into An Eternity» quasi eine weitere halbszenische Produktion. Nur gab es hier zum Arrangement in der Felsenreitschule noch eine aufwändige Bühneninstallation von George Tsypin, was zumindest für eine stimmige Atmosphäre sorgte.

Bei den grossen Opernproduktionen dominierten die Orchester und die Protagonisten den Eindruck. Dabei war die Macht der Bilder unübersehbar und sorgte naturgemäss für Pro und Kontra. Beim Schauspiel passte die üppig ausladende «Jedermann»-Szenerie dazu, für die im zweiten Jahr Opernregisseur Robert Carsen und Titelheld Philipp Hochmair stehen. Auch Kirill Serebrennikow setzte in seiner «Schneesturm»-Inszenierung (mit einem herausragenden August Diehl im Zentrum) auf surreale Bilderopulenz.

Hinzu kommt die politische Dimension: Zur Eröffnung funkte sie beim Staatsakt mit den Palästinaaktivisten noch spontan dazwischen. Im laufenden Programm ergab sie sich besonders durch die Präsenz russischer Künstler. Zu denen das Feuilleton auch Teodor Currentzis zählt, der am Konzert-Podium u.a. mit Schostakowitsch und Mahler glänzte.

Wenn in diesem Festspieljahrgang von manchen Beobachtern direkte Anspielungen auf aktuelle Konflikte vermisst wurden, so mag das zwar so sein, aber auch hier gilt’s (zu allererst) der Kunst. Und die entfaltete auch da ihre Wirkungen, wo sie dem Motto «Ich werde in den Tod geboren» (Beckett) nicht direkt folgte.

Zwei der Hauptproduktionen waren dem jedoch mit einer dezidiert dystopischen Ästhetik besonders dicht auf den Fersen. Wobei Dmitri Tcherniakov mit seinem Bunker-«Cesare in Egitto» eher in der Behauptung von Augenhöhe mit einer drohenden Zukunft stecken blieb. Seine Inszenierung simulierte nicht nur einen Luftangriff auf das Haus für Mozart, sondern erwies sich als einer auf Händels Oper. Für Peter Eötvös’ Tschechow-Oper «Drei Schwestern» haben Regisseur Evgeny Titov und sein Bühnenbildner Rufus Didwiszus zwar eine imaginäre Bahnstrecke nach Moskau, den Sehnsuchtsort der Schwestern, in Trümmer gelegt, sind damit aber gleichsam ins Innere des Stücks vorgedrungen. Resignation und Melancholie sind hier von der Andeutung in der Katastrophe schon zur Erinnerung geworden. Ein atmosphärisches Gesamtkunstwerk jenseits jedes Wohlfühl-Tschechows. Vokal obendrein ein Counterfest mit Dennis Orellana (Irina), Cameron Shahbazi (Mascha) und Aryeh Nussbaum Cohen (Olga), ergänzt von Kangmin Juni Kim (als Schwägerin Natascha).

Ulrich Rasche hingegen lieferte mit seiner Version von Donizettis «Maria Stuarda» einen ästhetischen Solitär und entführte in eine Welt von rotierenden Scheiben. Auf der einen schreitet Maria (grandios: Lisette Oropesa) ihrem Tod entgegen, auf der anderen Elisabeth (Kate Lindsey) ihrer historischen Grösse. Der typische, perfekt choreografierte Rhythmus des Schreitens, die Personenregie und die Musik erzeugen einen packenden Sog. Inklusive eines grandiosen Schlussbildes bei dem sich eine dritte Scheibe auf Maria senkt, ihre jetzt fast nackten Begleiter zu Boden gehen und von der Scheibe purzeln.

Am anderen Ende der ästhetischen Möglichkeiten stand das Vivaldi-Pasticcio über mythische Verwandlungen («Hotel Metamorphosis»), mit dem Cecilia Bartoli und Regisseur Barrie Kosky schon bei den Pfingstfestspielen Furore gemacht hatten. Vielleicht ein bissl lang und von der als Orpheus Verbindendes beisteuernden Angela Winkler etwas vernuschelt, bleibt es ein grosser Bühnenspass im noblen Hotelzimmer, bei dem man seine Freude hat und obendrein einiges über das mythologische Personal lernt.

Auch Krzysztof Warlikowskis «Macbeth» ist eine Wiederaufnahme. Szenisch wird hier die Kinderlosigkeit des ehrgeizigen Ehepaares (mit einer phänomenalen Asmik Grigorian als Lady allzu deutlich der Antrieb für den Weg in die Katastrophe. Die collagierenden Bildlösungen machen dabei die Grösse der Festspielhausbühne eher bewusst, als dass sie diese für sich nutzen. Philippe Jordan freilich füllte mit den Wiener Philharmonikern den Saal mit einem packenden Verdi.

Alles in Allem können die Festspiele vor allem musikalisch, inklusive des des exquisiten Konzertprogramms, eine Bilanz vorweisen, mit der sie gut leben können.

Joachim Lange


Vom Ende der Zeit

Glühende Intensität beim 40. Davos Festival.

Konzert in der Kirche St. Johann beim Davos Festival 2024 © Davos Festival / Akvilé Šileikaité

Eine dunkle Kirche, erleuchtet nur von Dutzenden von Elektro-Kerzen und ein paar farbigen Lichtnuancen im Chor. Zum munteren, lustvoll volkstümlich angehauchten Streichquartett von Grazyna Bacewicz passte das Setting zwar auch, die vier jungen Mitglieder des Novo Streichquartetts luden das spritzige und nur in wenigen Momenten des langsamen Mittelsatzes ein wenig nachdenkliche Werk vor allem im übersprudelnden Finale aber derart mit Spannung auf, dass man sich auch gleissende helle Scheinwerfer dafür hätte vorstellen können.

Perfekt passten die Kerzen zum «Miserere» von Zoltán Kodály, ein unglaublich dichtes, bloss sechsminütiges, nicht weniger als achtstimmiges a capella-Stück, das vom Vokalensemble «calens» aus Stuttgart in perfekter Intonation und mit einer Präsenz und Intensität gesungen wurde, über die man nur staunen kann. Auch sie allerdings loderten deutlich kräftiger als die funkelnden Kerzchen, schliesslich lässt sich ihr lateinischer Name etwa mit «glühend» übersetzen. Diesen acht Stimmen hätte man sehr gerne noch viel länger zugehört.

Aber es wartete noch das zentrale Werk des Abends an diesem Konzert des Davos Festivals, das zu seinem 40. Jubiläum unter dem Motto «Zeitlos» lustvoll und selbstironisch mit allen Spielarten der Zeit jongliert, und darum wenig überraschend auch das packende «Quatuor pour la fin du temps» von Olivier Messiaen auf das Programm setzte. Das achtsätzige, 50minütige Quartett für Klarinette, Violine, Cello und Klavier entstand 1940-41 in deutscher Kriegsgefangenschaft. Aber es hat nichts von seiner dringenden, glühenden Leidenschaftlichkeit eingebüsst, gerade, wenn es derart konzentriert und technisch meisterhaft gespielt wird wie von den vier Musikern in Davos.

Eine besondere Tour de Force ist das grosse Klarinettensolo «Abîme des Oiseaux», das von Anastasia Schmidlin bis in die letzte Nebennote mit Intensität und Bedeutung aufgeladen wurde. Dmitry Smirnov und Miquel Garcia Ramon füllten die ähnlich gelagerten, ätherisch flirrenden Streicherlinien von Geige und Cello in den beiden «Louanges» nicht minder mit glühender Innigkeit. Zusammen mit dem Pianisten Milosz Sroczynski gelang dem Quartett eine Interpretation, welche die dramatischen Ausbrüche und die eindringlichen Appelle an Frieden und die Anklage gegen die Barbarei jeden Krieges sehr beredt und ausdrucksvoll zum Klingen brachte.

Reinmar Wagner


Ein Fest des gemeinsamen Singens

An Auffahrt fand sich die Stadt Basel wiederum umarmt von jungen Stimmen aus der ganzen Welt: Das Jugendchorfestival brachte zur Eröffnung 1300 junge Stimmen in die St. Jakobs-Halle, aber noch weit mehr in die Stadt und in die Region.

Ob im kleinen Rahmen oder beim riesigen Chorspektakel: Die Freude am Singen war in jedem Konzert spürbar. © Tilman Pfaefflin

Die eine der beiden Lokalzeitungen fokussierte in ihrer Abschlussbilanz auf ein paar hitzebedingte Sanitätsvorfälle, die – im Ernst – «ohne Hinweise auf strafrechtlich relevante Handlungen» geblieben seien und auf Bundesrat Beat Jans, der vom Moderator Lionel Mattmüller zu einem kurzen improvisierten Schlagzeugsolo genötigt wurde. Nachdem er endlich Schläger in die Hand bekam, zog sich der Magistrat ebenso achtbar aus der Affäre, wie mit seiner englisch gehaltenen Ansprache. Aber schon der nächste der 19 Jugendchöre, die sich zur Eröffnung in der St. Jakobs-Halle versammelt hatten fegte diesen Auftritt als nette Episode vom Platz.

«Bisò ya» («Wir sind da») hiess gleich schon am Anfang des Eröffnungskonzerts das selbstbewusste Motto, das von nicht weniger 1300 Sängerinnen und Sängern in der St. Jakobshalle nachdrücklich unterstrichen wurde, angeleitet vom Chor «Mboa» aus Kamerun. Präsenz markierten sie alle daraufhin nicht nur ihren Lieblingsstücken in diesem Eröffnungs-Schaulaufen, sondern ein langes Auffahrts-Wochenende lang quer durch Kirchen, Säle und Plätze der Region Basel.

Mitgebracht hatten sie viel Folklore aus ihren Heimatländern, Rock- und Pop-Hymnen, eher wenige Ausschnitten aus dem riesigen Repertoire des klassischen Chorgesangs und natürlich den Festivalsong «Music is everywhere», der harmlos genug ist, dass auch das Publikum den Refrain mitsingen kann. Er erhielt nicht nur Konkurrenz von der kamerunischen Call-Response-Nummer, sondern auch von einer von der schwedischen Komponistin Susanna Lindmark neu gefassten Komposition auf die Worte «Dona nobis pacem», die angesichts der Angriffe Russlands und Israels nur umso wichtiger und dringender erscheint.

Die Welt-Politik allerdings, die verkam ganz schnell zur Randnotiz und das Festival wurde zu dem, was es in seiner Geschichte schon immer war: Ein Fest. Ein Fest des Singens, ein Fest höchstkarätiger Chorkultur, die das Niveau der besten Vokalensembles Europas streift, aber auch als ein Fest des Mitmachens, der Gemeinsamkeit, in dem es für jede Stimme und jede Figur eine Rolle gibt. Spontane Auftritte in den Strassen und Plätzen oder am Samstagnachmittag auf sechs Open Air-Bühnen verteilt über die ganze Innenstadt zeigten die unmittelbare Freude am gemeinsamen Singen.

Zu hören aber war auch, dass sich hier unter den 19 eingeladenen Chören aus 13 Nationen hervorragend geschulte Ensembles zusammen gefunden hatten, und da lag natürlich – auch wenn es beim EJCF keine Preise, Medaillen oder Halbfinale gibt – der Wettbewerbsgedanke ebenfalls ein wenig in der Luft. So zeigten sich die internationalen Gäste in ihren Konzerten nicht nur mit folkloristischen Grüssen aus ihren Heimatländern, sondern auch mit zum Teil äusserst ambitionierten Chorwerken aus allen Epochen, vor allem auch aus ganz aktueller Produktion. Auffallend viele zeitgenössische Werke sind in diesen vier Tagen erklungen, von Komponistinnen und Komponisten, die man hierzulande überwiegend noch kaum gehört haben dürfte.

Was zum Beispiel der Tiara-Chor aus Riga an Klangkultur in die Klosterkirche von Mariastein zauberte, oder die Mädchen aus Rumänien in den Auffahrts-Gottesdienst im Münster, braucht keinen Vergleich zu scheuen, ebenso wenig wie die Kinder des «Leioa Kantika Korala» aus dem Baskenland in ihren regenbogenfarbenen Kleidern ausgefeilte Choreographien tanzten. Auf ein Wiedersehen und Wiederhören an Auffahrt 2027.

Reinmar Wagner


Ein «Boléro» mit Stimme, Händen und Füssen

Das Musikfestival «Les Sommets musicaux» in Gstaad konnte dieses Jahr seinen 25. Geburtstag feiern und tat dies mit einem beachtlichen Aufmarsch von Klassik-Stars.

Léo Warynski leitet sein Ensemble «Les Métaboles» vor den Wandmalereien der Kirche in Saanen. © Raphael Faux / gstaadfotography.com

Es ist einer der eindrücklichsten Steigerungsläufe der klassischen Musik, den Ravel 1928 in Musik setzte: Sein «Boléro» sorgte seit seiner ersten Aufführung für Furore und ist heute weit über die Klassik hinaus vielen Musikhörern bekannt. Zwar hat es Ravel für ein gross besetztes Sinfonieorchester geschrieben, aber das Stück lässt sich ganz offensichtlich auch sehr gut von einem 24köpfigen Vokal-Ensemble ganz ohne Instrumente singen. Jedenfalls bewies das französische Ensemble «Les Métaboles» bei seinem Konzert in der Kirche Saanen auf beeindruckende Weise, wie sich die instrumentalen Raffinessen Ravels auch auf Stimmen übertragen lassen.

Das Arrangement von Thibault Perrine übernimmt Ravels Original weitgehend und verteilt das ostinate Motiv quer durch die Stimmen. Und nicht nur das: die Sängerinnen und Sänger ahmen mit spielerischer Lust den Charakter der Instrumente nach – da ein Fagott, dort ein Saxophon, am Ende sogar lautmalerisch die flirrenden Becken – und zudem setzen die «Métaboles»-Mitglieder auch ihren Körper ein, stampfen mit den Füssen, schlagen sich auf die Brust oder pfeifen auch mal eine Melodie mit.

Solcher Körpereinsatz ist das Markenzeichen des 2010 von Léo Warynski gegründeten Ensembles, und mit dem «Boléro» haben sie ihr Hit-Stück gefunden, das in keinem Programm seine Wirkung verfehlt. In der prächtig ausgemalten Kirche von Saanen sangen sie ein reines Ravel-Programm, das sie von den Chorliedern Ravels über die Arrangements von Solo-Liedern bis hin zu Orchesterstücken führte. Neben «Boléro» zeichneten sie etwa auch «Ma Mère l’Oye» und «Pavane pour une Infante défunte» mit ganz unterschiedlichen stimmlichen Mitteln nach.

In zahlreichen solistischen Passagen zeigten die einzelnen Mitglieder gerne höchst individuelle sängerische Attitüden und unterschiedliche Stimmfarben, und auch sonst pflegt dieses Ensemble weniger den lupenrein homogenen Chorklang, den wir von den besten Vokal-Ensembles kennen, die oft mit der Vokalpolyphonie der Renaissance oder den Anforderungen an schlanke Linienführungen in der zeitgenössischen Musik gross geworden sind, sondern lässt die charakteristischen Stimmfarben der Mitglieder auch im Tutti-Chorklang durchschimmern.

Am Abend davor hatte in einer anderen historischen Kirche des Saanenlandes, in Rougemont, das Belcea-Quartett seinen grossen Auftritt. Das Ensemble der rumänischen Geigerin Corina Belcea besteht bereits seit 1994. Nicht unverändert zwar, erst 2022 kam die koreanisch-österreichische Geigerin Suyeon Kang ins Quartett. Aber die Interpretationen von Mozarts «Hoffmeister»-Quartett KV 499 und vor allem von Beethovens spätem Opus 131 bewiesen eine musikalische Vertrautheit und traumwandlerische Sicherheit im Zusammenspiel, die zutiefst beeindruckte.

Renaud Capuçon ist seit 2016 für das künstlerische Programm bei den «Sommets musicaux» verantwortlich, und er liess es sich nicht nehmen, zum Abschluss des Festivals zusammen mit seinem Bruder Gautier und Kammermusik-Freunden eine Überraschungs-Gala zu programmieren, nachdem er schon zu Beginn des Festivals mit Yo Yo Ma, Isabelle Faust oder Giovanni Antonini einen illustren Reigen an Klassik-Stars nach Gstaad eingeladen hatte.

Eine weitere Besonderheit zum Jubiläum boten die nachmittäglichen Kammermusik-Konzerte in der Kapelle Gstaad: Wo sonst der musikalische Nachwuchs um den Gewinn der beiden Festival-Wettbewerbspreise wetteiferte, traten diesmal ehemalige Sieger dieser Preise auf, die inzwischen Karriere gemacht haben, wie zum Beispiel die Cellistin Anastasia Kobekina oder der Bratschist Timothy Ridout. Auch der Pianist Guillaume Bellom und die Geigerin Anna Agafia (siehe M&T 1-2-2025) gehören zu dieser illustren Gruppe und sie zeigten ihre Fähigkeiten auch zusammen in einem höchst virtuosen Programm mit Musik von Ysaÿe, Poulenc, Chausson und Saint-Saëns, respektive in einem Klavierrezital mit Schubert, Liszt und Klavier-Raritäten von Richard Strauss mit denen sich Bellom auf CD schon hervorgetan hat.

Reinmar Wagner


Wenn die Geige kratzt und jammert…

Beim Eröffnungskonzert des diesjährigen Basler «Mizmorim»-Festivals versuchte man die Transformation von Strawinskys genialer Fabelgeschichte «L’Histoire du Soldat» in die DJ-Gegenwart.

Das Mizmorim-Ensemble über den leeren Parkett-Reihen des Stadtcasinos in einem der wenigen Momenten mit szenischer Aktion. © Liron Erel / Mizmorim

Was für ein Anblick: Leer die Stuhlreihen im Stadtcasino, die Besucher drängen sich auf die Ränge des Balkons. Das ganze Parkett gehört den Interpreten (und der Technik), dabei machen diese kaum das Dutzend voll. Am meisten Platz bekam vorerst Janiv Oron, der diesjährige Gastkomponist des Festivals. Mit Computer und Plattenspieler montierte er Soundschnipsel, Geräusche oder bös raunende Bässe, spielte mit den Turntabeltricks wie wir sie von den DJs in den Clubs kennen, liess gesprochene Sätze im Echoraum hallen oder auch mal schlicht ein wenig die Vögel zwitschern.

Man kann nicht behaupten, dass er damit Wesentliches dazu beigetragen hätte, neue Schlaglichter auf die geniale Zusammenarbeit von Strawinsky und Ramuz während des Ersten Weltkriegs am Genfersee zu werfen. Dasselbe gilt für die Tänzerin Andrea Tortosa Vidal, welche die genesende Prinzessin verkörpern durfte. Damit nahm man die Anweisung «gelesen, gespielt, getanzt» auf Strawinskys Original-Partitur zwar ernst, und hübsch getanzt war das auch.

Aber dafür hätte man wohl kaum das Parkett leer räumen und mit einer grossen Plattform überdecken müssen. Und schon gar nicht für das Septett und die beiden Sprecher. Szenisch entwickelte sich aus dieser Anlage kaum etwas wirklich Erhellendes, und so lebte Strawinskys farbiges Stück – wie immer eigentlich – hauptsächlich von der Raffinesse der jazzigen Rhythmen, wirbligen Melodien und spieltechnischen Kabinettstückchen.

Da mochten wir sehr gerne zuhören. Zum Beispiel einem Ilya Gringolts, der sehr aufsässig, mit überaus burschikosem um nicht zu sagen rustikalem Ton die Geige spielte. Das passte natürlich perfekt auf die imaginierten technischen Fähigkeiten eines armen Soldaten – oder auch auf den geigenden Teufel. Schön, dass sich ein Weltklasse-Geiger sowas getraut! Auch sonst spielte das sehr gut besetzte Ensemble überaus virtuos, staunenswert flink zum Beispiel das Cornet von Erick Venditte dos Santos oder die Klarinette von Reto Bieri.

Klaus Brömmelmeier, assistiert von Silke Gäng, las die Texte von Ramuz. Nicht im französischen Original, und auch nicht in der sonst bekannten ersten deutschen Übersetzung von Hans Reinhart (dem Dichter und Mäzen, der später den «Hans Reinhart-Ring» stiftete) sondern in einer wenig bekannten Übersetzung, die Mani Matter 1963 für eine geplante Aufführung zusammen mit Jürg Wyttenbach anfertigte. Das Projekt verlief im Sand, die erste Aufführung erlebte der Text 1975 zur Eröffnung des neuen Theaters in Basel.

Mani Matters Version ist zweifellos gelungen, aber so richtig ein Wurf scheint sie nicht, bleibt zum Beispiel den ironischen Wortwitz von Matters Lieder-Texten weitgehend schuldig. Es war wie so oft in diesem Werk: Am Ende ist es Strawinskys geniale Musik, die haften bleibt. «L’Histoire du Soldat» gehört zu den farbigsten Werken Strawinskys, zitiert sich munter quer durch Musikgeschichte, lässt weder Walzer, Gregorianik noch Ragtime aus, bemüht Choräle, die manchmal ironisch gebrochen werden und freut sich an Zigeunermusik und Klezmer.

Das «Mizmorim»-Festival 2025, das unter dem Thema «Exil» stand, war mit diesem Abend eröffnet. Und am Ende konnte eine sehr positive Bilanz gezogen werden: 11 der 18 Veranstaltungen waren ausverkauft, die Gesamtauslastung wurde mit 93% angegeben. Die elfte Ausgabe erreichte damit noch einmal 13% mehr Publikum als in der Saison 2023. Mit dem Jubiläumsjahr 2024 lassen sich die Zahlen nicht vergleichen, weil man damals mit sehr viel grösserem Aufwand und deutlich mehr Veranstaltungen den zehnten Geburtstag gefeiert hatte.

Reinmar Wagner


Zermatt: Eine Forelle im Bergbach

Beim Zermatt Festival war die grosse Pianistin Elisabeth Leonskaja in verschiedenen Rollen zu erleben. Und Strawinskys «Histoire du Soldat» erlebte dank eines fulminanten Ensembles und der Schauspielerin Martina Gedeck eine eindringliche Aufführung.

leonskaja
Elisabeth Leonskaja @ Marco Borggreve

Es waren zwei komplett unterschiedliche Tage in Zermatt: Die Fotos mit spiegelnden Gipfeln in Bergseen, für die wir mit dutzenden von asiatischen Touristen um die besten Positionen konkurrieren, zeigen völlig unterschiedliche Farben: Weiss-graue Neuschnee-Nebel-Variationen, die man vermutlich in die Antarktis situieren würde, wäre nicht das Matterhorn immer wieder unverkennbar zu sehen. Und tags darauf prächtigstes Spätsommer-Bergwetter mit stahlblauem Himmel und warmer, abgetrockneter Luft, die selbst der oft anzutreffenden Bannerwolke im Lee des markanten Gipfels keine Chance liess.

Bei Elisabeth Leonskaja, der aus Georgien stammenden grossen Pianistin, schien es umgekehrt zu sein: Am Freitag-Abend hatte sie noch ihre pianistische Klasse mit lustvoller Spielfreude und perlender Brillanz in Beethovens viertes Klavierkonzert gelegt. Am Sonntag geriet ihr Mozarts A-Dur-Konzert KV 414 ein wenig zu routiniert. Natürlich überspielte sie mit der Erfahrung ihrer bald 79 Jahre manche Klippe, aber so richtig inspiriert wirkte ihr Spiel bis auf den langsamen Mittelsatz nicht. Und das lag keinesfalls an der Begleitung mit bloss einem Streichquintett. Man assoziiert mühelos die Hornstimmen im Bratschenklang, man geniesst auch ohne Oboen Mozarts melodischen Erfindergeist.

Kann sein, dass Leonskaja, die kürzlich in einem Interview betonte, dass sie noch lange nicht genug hätte vom Klavierspielen, kein Morgenmensch ist, kann sein, dass die Höhe der kleinen Kapelle auf der Riffelalp von 2222 Metern über Meer sie nicht unberührt liess, kann auch sein, dass sie ihre Kräfte ein wenig einteilte. Denn nach diesem Mozart-Apéro stand Schuberts «Forellenquinett» zum Hauptgang an. Und da erwies sie sich zusammen mit den Musikern des Scharoun-Ensembles wieder als absolut trittsicher und schwindelfrei. So fühlte sich Schuberts Fisch im inspirierten Spiel des Quintetts so wohl wie es einer Forelle im Bergbach nur möglich ist.

zermatt
© Zermatt Festival

Das Scharoun Ensemble, das aus führenden Musikern der Berliner Philharmoniker besteht, kuratiert seit nun 20 Jahren des Programm des Festivals in Zermatt und unterrichtet die Studenten der Akademie, die alle zusammen auch das Festival-Orchester bilden. Das tun sie mit sehr viel spritziger Spielfreude, wie sie nicht nur als Beethoven-Begleiter oder in einer Haydn-Sinfonie, sondern auch im dritten Brandenburgischen Konzert von Bach mit über viele Stationen verteilten solistischen Rollen bewiesen.

Dieses Konzert war der Auftakt zu einem Werk, das viel zu oft reduziert wird auf ein Märchen für Kinder im Familienkonzert: Strawinskys «L’histoire du soldat». Entstanden 1917 am Genfersee während Strawinskys unfreiwilligem Asyl wegen der Oktober-Revolution auf einen Text des zum Freund gewordenen Waadtländer Schriftstellers Ferdinand Ramuz, gehört es zu den farbigsten Werken Strawinskys, zitiert sich munter quer durch Musikgeschichte, lässt weder Tango noch Ragtime aus, bemüht Choräle, die manchmal ironisch gebrochen werden und freut sich an Zigeunermusik und Klezmer. Das Stück war bei den sieben virtuosen Musikern in besten Händen und liess mit seinem kurzweiligen Charme trotz des düsteren Fabel-Sujets niemanden im Publikum kalt.

Eigentlich enthält das Stück drei Sprechrollen, den Soldaten, den Teufel und den Vorleser. Oft werden sie allerdings in einer Person zusammengefasst, was bestens funktioniert. So war es auch in Zermatt, und dadurch umso unproblematischer, als mit der deutschen Schauspielerin Martina Gedeck eine sehr beeindruckende Sprecherin gefunden wurde, die mit ihren sprachlichen Nuancen mühelos nicht nur die verschiedenen Rollen lebendig werden liess, sondern die Sätze von Ramuz durch vielseitige Variationen im Timing und in der Tonlage mit Spannung und Rhythmus aufladen konnte.

Reinmar Wagner


Tanzfestival Steps 2024

Geschichten, die unter die Haut gehen: In seiner 19. Auflage zeigt das Tanzfestival Steps des Migros-Kulturprozent auf 36 Schweizer Bühnen Glanzlichter des internationalen Tanzschaffens.

Bildschirmfoto 2024-05-02 um 12.44.44
Die norwegische Cie. Winterguest © Max Bäcker / Steps

Ein neues Leitungsteam und ein altbewährtes Konzept stehen für das internationale Tanzfestival Steps des Migros-Kulturprozent. Bis 2022 hatte Isabella Spirig die künstlerische Leitung des Festivals inne. Seither kümmert sich ein Programmteam um die Weiterführung des bisherigen Konzepts von Steps, mit der Absicht, die Vielfalt des nationalen und internationalen zeitgenössischen Tanzes auf einem hohen künstlerischen Niveau zu den Leuten zu bringen. Selina Beghetto, Marine Besnard und Frank Fannar Pedersen übernahmen im Sommer 2022 die Gestaltung des Bühnenprogramms – unterstützt von Valeria Felder, die seit 2021 als Festivalleiterin die Kontinuität von Steps verantwortet. Im Gespräch mit M&T erläutern Valeria Felder und Selina Beghetto die programmatischen Leitlinien der Steps-Ausgabe 2024. Weiterlesen: Steps 2024. Musik und Theater05_06 2024


Mizmorim Basel: Steve Reich zum Geburtstag

Die zehnte Festival-Ausgabe feierte das Basler «Mizmorim»-Festival gross: mit Musik von Bernstein und Steve Reich und mit einer Uraufführung der spanischen Komponistin Helga Arias.

421906051_909941994464824_5353700885696581984_n
Tito Ceccherini © Zlatko Micic / Mizmorim

«Mizmorim» heisst das Festival, «Tehillim» heisst das Werk. Beides steht im Hebräischen für «Psalm», wobei «Tehillim» für das Kompendium, das Buch der Psalmen steht und Mizmorim die einzelnen Psalmen sind. «Tehillim» thront als Motto dabei nicht nur über dem gewichtigsten Werk des Eröffnungskonzerts, sondern auch über dem ganzen Festival, an dem noch bis am 31. Januar Psalmvertonungen aus allen Epochen und aus ganz unterschiedlichen Kulturen erklingen.

«Tehillim» ist auch der Titel, den Steve Reich 1981 seiner Psalmen-Vertonung gab, mit der er sich als Komponist zum ersten Mal mit seinen jüdischen Wurzeln auseinander setzte. Ein Meilenstein für ihn, aber auch einer für das Festival «Mizmorim» in Basel, das sich mit den vielfältigen Beziehungen von jüdischer Musik und den Interaktionen mit anderen Kulturen auseinander setzt. Reich bleibt seiner minimal-musikalischen DNA auch hier treu, was bedeutet, dass der Dirigent – nicht der vorgesehene Baldur Brönnimann, sondern der eingesprungene Italiener Tito Ceccherini – seine ganz Schlagtechnik auspacken musste, um die komplex verschachtelten Rhythmen mit ihren quasi endlosen Wiederholungsschlaufen nicht aus dem Takt geraten zu lassen. Freilich konnte er sich hundertprozentig auf die Musiker, vor allem die Perkussionisten, des Lucerne Festival Contemporary Orchestra verlassen, ebenso wie auf die vier Frauenstimmen der Basler Madrigalisten. Allen zusammen gelang eine wirklich eindrückliche Aufführung dieses 40minütigen Bekenntniswerks.

Die gleiche Besetzung wie Steve Reich, das war die Vorgabe im Kompositionswettbewerb des Festivals, den die 1985 geborene spanische Komponisten Helga Arias für sich entschied. Diesmal aber standen die vier Frauenstimmen vorne an der Rampe. Und die sängerischen Anforderungen waren ganz anders: Statt schneller rhythmischer repetitiver Linien verlangt Arias Anklänge an die Kirchenmusik, an die Linien des gregorianischen Chorals und vor allem an die langsam fortschreitenden Akkordketten der Vokalpolyphonie der Renaissance. Diese tonalen – und lupenrein gesungenen – Sphärenklänge kontrastiert sie mit Clustern und Glissandi von den Instrumenten und sorgt so für irritierende Reibungen in den ätherisch schönen Akkorden. Viermal wird der 130. Psalm «Aus der Tiefe ruf ich, Herr, zu dir» angestimmt auf hebräisch, lateinisch, deutsch und englisch. Eine insgesamt eher schlichte Komposition, die aber ihr Thema – Trost durch Glaube, Hoffnung und Gotteslob – ähnlich eindringlich trifft, wie das Lied «Hatikva» («Hoffnung»), das seit der Gründung des Staates Israel auch dessen Nationalhymne ist und als Statement gegen Hass und Gewalt in einer schlichten Streicherversion das Konzert eröffnete.

420092127_909941287798228_8456188211288516870_n
Ilya Gringolts © Zlatko Micic / Mizmorim

Schon da stand der Geiger Ilja Gringolts vorne an der Rampe. Und danach packte er sein ganzes geigerisches Können und die Erfahrung des grossen Interpreten aus. Das Violinkonzert, das er mitbrachte, ist ein überaus unterhaltsames Werk: Leonard Bernstein komponierte seine «Serenade» 1954, inspiriert von den Gedanken und Persönlichkeiten in Platos «Symposion». Grundthema ist die Liebe, aber wir finden auch ausgelassene Tänze, die immer schwerfälliger werden, je mehr dem Wein zugesprochen wird, und mitten drin ein elegisches Lied, das in der Interpretation von Gringolts und den Musikern des Lucerne Festival Contemporary Orchestra überaus suggestiv und klangsinnlich ausgekostet wurde.

Reinmar Wagner

Michal Lewkowicz über Mizmorim MuT_01-02_2024


Thomas Zehetmair bricht eine Lanze für Bohuslav Martinů

Das Zehetmair-Streichtrio beschloss die Basler Martinů-Festtage, die dieses Jahr besonders farbig programmiert waren.

© Benno Hunziker / Martinu-Festival

Seltsame Wege geht die Musikgeschichte manchmal. Verloren schien das erste Streichtrio von Bohuslav Martinů, das er vor fast exakt hundert Jahren in Paris komponierte, wo er Schüler von Albert Roussel war. Es darf als eines der ersten wirklichen Meisterwerke von Martinů gelten und besticht trotz seiner relativen Kürze durch eine originelle Kombination aus den damals aktuellen neoklassizistischen Form-Elementen und frei fliessenden, ausdrucksvollen persönlichen Ideen, die den klangfarblichen Möglichkeiten dieser kleinen Streicherbesetzung ganz eigene Nuancen abzugewinnen vermögen.

Strawinskys Rhythmik und der frühe Jazz, den man damals in Paris liebte, haben ebenfalls ihre Spuren hinterlassen. Das Trio wurde 1924 in Paris auch uraufgeführt – und dann gingen die Noten einfach verloren. Martinů selbst, der sorglos die Original-Handschriften in der Welt herum schickte, bat noch um Sorgfalt, «damit die Noten nicht verschlampt» würden. Genauso aber ist es gekommen, und so blieb dieses frühe Kammermusikwerk verschollen. Bis es 2005 in der Königlichen Bibliothek Kopenhagens wieder auftauchte. Seither wurde es verschiedentlich aufgeführt und als wichtiger Schritt in Martinůs Entwicklung als Komponist gewürdigt. Grund genug, es nun auch in Basel zum Abschluss des Martinů-Festivals vorzustellen. Eines der profiliertesten festen Streichtrios konnte dafür gewonnen werden.

Seit vielen Jahren spielt Thomas Zehetmair nicht nur Streichquartett, sondern auch Streichtrio mit seiner Partnerin, der Bratschistin Ruth Killius, und dem Cellisten Daniel Haefliger. Diese Vertrautheit war den drei Musikern schon in den zwei Trios von Beethoven anzuhören, wobei sie zuerst etwas gar verhalten spielten, klangfarblich zurückhaltend und der grossen Geste immer wieder etwas misstrauisch gegenüber stehend. Aber das legte sich bald, und die schlanke Durchsichtigkeit im Musizieren dieser drei Streicher wurde zum Pluspunkt in den beiden frühen Trios aus dem Opus 9 Beethovens.

Der 62jährige Geiger Thomas Zehetmair aber liess es sich nicht nehmen, bei diesem Konzert in der Druckereihalle Basel auch eines der bisher wenigen von ihm selbst komponierten Werke vorzustellen. Er bewies darin einen virtuosen Umgang mit den zahlreichen Satztechniken der Avantgarde, nicht anbiedernd und nicht verkopft, sondern auf eine gewisse Weise anregend, ohne dass man behaupten könnte, man hätte gleich alles verstanden beim ersten Hören. Die drei Sätze seines brandneuen Trios, das erst im September in Lugano und Genf bei den Swiss Chamber Concerts uraufgeführt wurde, sind komplett unterschiedlich, was sich schon an den Satztiteln ablesen lässt: Passacaglia verweist auf Variationsformen, die Burleske ist ein neckisches Pizzicato-Stück, das erst am Ende durch eine Bratschen-Kantilene kontrastiert wird und die Meditation – die zuerst noch «Choral» hiess – schliesst nachdenklich und fragend.

Das Programm beim diesjährigen Martinu-Festival war so bunt wie wohl noch nie. Neben Kammermusik und Chorwerken von Martinu, Iris Szeghi und Béla Bartók gab es auch Jazz – das gab es schon oft – aber auch Pop und Chanson. Mit dem georgischen Chansonnier Vladimir Korneev hatte das Festival zwar kein Glück: Sein Auftritt musste krankheitsbedingt auf nächstes Jahr verschoben werden. Für ihn sprang das Musik-Kabarett-Duo Calva mit ihren Cellos und dem aktuellen Programm «Im Himmel» ein. Vollkommen gelungen war der Auftritt der Frauenband «Vesna», die am Eurovision Song Contest 2023 in Liverpool für Furore sorgte und auch den Basler Club Parterre One mühelos eroberte und ein begeistertes Publikum zurück liess.

Reinmar Wagner


Zermatt: Das Festival wird zum Musikfest

Eine reizvolle Kombination für interessant konzipierte Konzertprogramme: Christiane Karg, David Philip Hefti und das Scharoun-Ensemble gaben beim Zermatt Festival den Ton an.

ZERMATT MUSIC FESTIVAL 2023
Christiane Karg und David Philip Hefti beim Zermatt Festival 2023 © Olivier Maire

Man hat Mut beim Zermatt Festival: Ein Stück wie die «Metamorphosen» von Richard Strauss aufs Programm zu setzen, käme wohl nicht jedem Veranstalter in den Sinn. 23 Streicher spielen Kammermusik, jeder hat seine eigene Stimme in ständig wechselnden Allianzen, durch die Strauss ein einziges Thema in immer wieder neuer Gestalt und klanglicher Balance aufscheinen lässt. Vor dem Hintergrund seiner Kriegs-zerstörten Heimatstadt München beschwört der gereifte Komponist noch einmal seine ganze Meisterschaft in spätromantischer Harmonik und zeigt am Ende mit dem Zitat aus Beethovens «Eroica»-Trauermarsch nicht nur seine Betroffenheit, sondern offenbart den Ursprung seines «Metamorphosen»-Themas und auch die Quelle der Inspiration seiner späten Jahre.

Die Streicher des Scharoun-Ensembles der Berliner Philharmoniker, das seit bald 20 Jahren beim Zermatt Festival den harten Kern und das künstlerische Gewissen bildet und in der Academy die jungen Talente unterrichtet, wagten zusammen mit ihren Studenten dieses herausragende Beispiel an struktureller und formaler Meisterschaft. Rein technisch sind diese Linien keine Hexerei, die Schwierigkeiten liegen darin, die Spannung über die 35 Minuten reinen Streicherklangs aufrechtzuerhalten und im dichten Geflecht der mäandrierenden Stimmen ständig bewusst die strukturellen und klanglichen Balancen auszutarieren. Der Mut wurde belohnt: In der Zermatter Dorfkirche gelang eine intensive und spannungsgeladene Interpretation dieses berührenden Abgesangs auf eine endgültig zusammengebrochene Welt. Die begleitet wurde von weiteren sehr gelungenen Auftritten am zweiten Festival-Wochenende in Zermatt.

Neben dem Scharoun-Ensemble und den Studenten der Academy prägten zwei herausragende Musikerpersönlichkeiten die Konzerte: Die deutsche Sopranistin Christiane Karg und der Schweizer Komponist und Dirigent David Philip Hefti. Der hatte sogar ein brandneues Werk im Gepäck, das er im Auftrag des Festivals dem Scharoun-Ensemble zu seinem 40. Geburtstag auf dein Leib geschrieben hatte. Die Besetzung also entspricht jener klassischen dieses Ensembles, das sich an Schuberts Oktett anlehnt, also Klarinette, Horn, Fagott, Kontrabass und Streichquartett. Auf Schuberts Meisterwerk rekurriert denn auch das neue Oktett von Hefti mit dem Titel «Des Zaubers Spuren». Man kann zwar in den Kantilenen, die Hefti zwischen den oft heftigen Attacken und den ausgefeilten Klangfarben-Kombinationen zwischendurch auch zulässt, manchmal die melodische Gestik Schuberts ein wenig erahnen. Direkte Zitate aber unterlässt der Komponist, eher subkutan ist Schuberts «magische» Kunst in dieses neue Werk eingeflossen.

SUISSE ZERMATT MUSIC FESTIVAL 2023
Schubert-Schlussakkord © Olivier Maire

Schubert gab es dann doch noch: Hefti dirigierte die vierte Sinfonie an der Spitze des Zermatter Festival-Orchesters, und er begleitete auch Christiane Karg in den sieben «frühen Liedern» von Alban Berg in einer Bearbeitung von Reinbert de Leeuw, die in ihrer Besetzung angelehnt ist an den Privat-Konzerten des Schönberg-Kreises in Wien, was vor allem die heute exotische Klangfarbe des Harmoniums einschliesst. Die deutsche Sopranistin bewies nicht nur einen aussergewöhnlichen Reichtum an stimmlichen Ausdrucksmitteln, sondern auch eine überaus vorbildliche Diktion, die diese noch in der Romantik verwurzelten Lieder zu emotionalen Miniaturen werden liessen.

Tags darauf im wundervollen Zyklus «Les nuits d’été» von Berlioz zog Christiane Karg erneut alle Register ihrer vielseitigen Stimme. Und in der kleinen Kapelle auf der Riffelalp auf 2200 Metern Höhe auf dem Weg zum Gornergrat, präsentierte die Sängerin wiederum mit einem beeindruckenden Repertoire an Farben, Sprachnuancen und emotionalen Schattierungen die fünf Rückert-Lieder von Gustav Mahler, die Hefti für Streichquartett neu instrumentiert hat. Die Scharoun-Streicher – nachdem die Kollegen zuvor mit einer burschikos-frischen Variante des Beethoven Bläseroktetts brilliert hatten – übernahmen selbst die Aufgabe, diese neuen Klangfarben für Mahlers bekannte Harmonien auszuführen, für die Hefti virtuos sämtliche streicherischen Spiel-Möglichkeiten auslotet.

Sie standen im Wechsel mit Heftis sechstem Streichquartett, das den Untertitel «Fünf Szenen für Gustav» trägt und dessen fünf Sätze auf die Rückert-Lieder reagieren und sie mit den klanglichen Möglichkeiten von heute kommentieren. Eine sehr reizvolle Gegenüberstellung von Mahlers hochromantischen Innenwelten mit der Musiksprache einer gemässigten Avantgarde, die es versteht, formale Ideen kunstvoll mit Klangfarben zu verbinden und so Mahlers Emotionalität eine nicht minder nachvollziehbare und berührende Gefühls- und Gedankenwelt an die Seite zu stellen.

Reinmar Wagner


Eine Reise ins Universum, mit Bach im Gepäck

Bei den Bachwochen Thun steht der Namenspatron natürlich im Zentrum. Was nicht heisst, dass man sich in einem Bach-Museum bewegt. Wie man mit Bach mühelos ins 21. Jahrhundert eintauchen kann, zeigte ein spannendes «BachSpace»-Konzert.

Bach-Space-violet@-Roland-Finsterwalder-scaled-1280x853
Das «BachSpace-Ensemble © Roland Finsterwalder / Bachwochen Thun

Es beginnt so bekannt wie harmlos: Präludium Nummer 1, C-Dur, das erste Stück im «Wohltemperierten Clavier» und für viele Klavierschüler wohl auch die erste Bekanntschaft mit Bach überhaupt. Die israelische Pianistin und Cembalistin Tamar Halperin spielt es auf dem Bösendorfer unaufgeregt und in gleichmässigem Rhythmus. Dann übernimmt die Geige von Tamás Vásárhelyi einzelne Motive daraus, das Klavier sekundiert mit abgewandeltem Material und vom Computer aus steuert Tomek Kolczynski verfremdete Floskeln aus der eben gehörten Musik und vorgefertigte Rhythmus-Muster bei, die er live über seine Steuergeräte modulieren und klanglich variieren kann.

Ganz rasch sind wir ganz woanders. Die drei Musiker auf der Bühne, unterstützt vom Tontechniker Amadis Brugnoni, werfen sich Motive wie Ping Pong-Bälle zu, spielen nicht nur mit den musikalischen Versatzstücken aus Bachs Werken, sondern auch mit den emotionalen Abläufen und atmosphärischen Stimmungen, die wiederum vom Lichtdesign unterstützt werden. Oder sie lassen sich auch einfach mal treiben von den Rhythmen und Sphärenklängen in ein Universum, dem man die Verwandtschaft mit Bach manchmal gar nicht mehr anhören können muss.

Beeindruckend insgesamt, wie abwechslungsreich und unterschiedlich diese neugemixten Bach-Interpretationen klangen. Der Gefahr, sich in ähnlichen Mustern zu wiederholen ist dieses Ensemble mit viel Detailreichtum und konsequenter Dramaturgie gekonnt ausgewichen. Dem geradlinigen Klavierspiel von Tamar Halperin hörte man auch dann gerne zu, wenn sie etwa nichts weiter als eine Solo-Partita spielte, Beim ungarischen Geiger, Mitglied des Kammerorchesters Basel, fehlte bei diesem Auftritt immer wieder ein wenig die Orientierung und die klangliche Finesse in einem Geigenspiel, das sich barocken Vorbildern annäherte, sie aber nicht so richtig verinnerlicht hatte. Das liegt hauptsächlich daran, dass Vásárhelyi für diesen Auftritt eingesprungen ist. Dieses «BachSpace»-Projekt wurde vor ein paar Jahren mit einem anderen Geiger, Etienne Abelin, entworfen und entwickelt. Er steht nicht mehr zur Verfügung, und dass es nicht leicht ist, sich neu in eine so ausdifferenzierte Sound-Collage einzufügen, das leuchtet unmittelbar ein.

Tomek Kolczynski hat sich von einer Thuner Gymnasiumsklasse auch in die Karten blicken lassen: Zusammen mit Christa Gerber leitete er die Schüler und Schülerinnen an, sich selber mit elektronischen Mitteln Bachs Musik zu nähern und ihre eigenen Bach-Remixe zu fabrizieren. Das Publikum konnte rund um das Konzert auch in diese Ergebnisse reinhören, und auf dem Youtube-Kanal des Festivals sind sie ebenfalls nachzuhören.

Diana-pres@Roland-Finsterwalder-scaled-1280x853
Diana Tishchenko solo © Roland Finsterwalder / Bachwochen Thun

«Richtigen» Geigen-Bach gab’s dann auch noch bei den Bachwochen Thun: in der romanischen Festungskirche von Amsoldingen spielte die ukrainische Geigerin Diana Tishchenko zwei seiner sechs Werke für Sologeige, die E-Dur-Partita und die d-Moll-Partita mit der berühmten, sämtliche Grenzen sprengenden Chaconne. Dazwischen stand als romantischer Kontrast die e-Moll-Sonate von Eugène Ysaÿe, die Nummer vier aus dem Sextett, das dieser nicht nur als Reaktion auf Bachs grosse sechs Solowerke komponierte, sondern dabei auch die grössten Geiger seiner Zeit als Inspirationsquelle vor den Ohren hatte. Die vierte ist dem warmen, zartschmelzenden Ton und dem Wiener Charme von Fritz Kreisler gewidmet. Die unter anderem bei Ulf Wallin in Berlin ausgebildete Geigerin bewies dabei nicht nur ein ein blitzsauberes Geigenspiel und technische Makellosigkeit, sondern auch eine beeindruckende Präsenz, mit der sie mühelos den ehrwürdigen Kirchenraum ausfüllen konnte.

Reinmar Wagner